Sonntag, 30. Januar 2011

Ab ins Camp! Was PRler vom Dschungelcamp lernen können

Fast 9 Millionen Zuschauer und ein Marktanteil von knapp 50 Prozent (14-49 Jahre) bescherten dem Dschungelcamp ein furioses Finale. Mit seinem Promi-Casting-Format ließ RTL die Konkurrenz in Sachen Einschaltquoten und Marktanteil deutlich hinter sich. Doch RTL schafft es nicht nur auf diesem Weg in die heimischen Wohnzimmer. Am Tag danach geht es auf weiteren Medienkanälen direkt zum Konsumenten. Zeitungen, Zeitschriften, Funk, Online – überall ist DAS Camp Gesprächsthema Nummer 1. Oder man hält es zumindest dafür.

Aber: Wie machen die das?
(Fast) ganz einfach: Medien- und Kommunikationspsychologen haben irgendwann einmal untersucht, was eine Information für möglichst viele Menschen und damit Leser, Zuhörer und Zuschauer interessant macht. Dabei haben sie zehn relevante Merkmale herausgearbeitet:

1. Neuigkeitswert
So richtig live dabei sind wir ja nicht, aber ein bisschen. So scheint es zumindest. Täglich eine Stunde (oder länger) die Höhepunkte der letzten 24 Stunden. Und nur in der Abendsendung aus erster Hand. Und wer es gestern nicht gesehen hat, hat eben was verpasst.

2. Nähe
Die Nähe muss nicht unbedingt geografisch gegeben sein – nur die wenigsten können (und wollen) sich ein Leben im Dschungel vorstellen. Nähe kann man auch thematisch erzeugen: Zugehörigkeit zu bestimmten Personengruppen, sich Wiederfinden in bestimmten Situationen – und von beiden gibt es im Camp ja eine ganze Menge: Kandidaten, mit denen wir uns mehr oder weniger verbunden fühlen und Situationen, die wir nachvollziehen können bzw. ähnlich schon erlebt haben.

3. Betroffenheit und Tragweite
Betroffenheit und Tragweite? Niemals! Für wen von uns sollte das Treiben dort schon Folgen haben? Eigentlich für niemanden. Und uneigentlich? Für alle, die mit dem einen oder anderen Camp-Bewohner sympathisieren. Und da ist, Pardon, war ja für jeden ein Kandidat dabei: Für Volksmusik- und Pop-Fans, für Casting-Show-Begeisterte, für 68er, für Seriengucker, für Heiratswillige, für Hobby-und Leistungssportler …

4. Nutzen oder Schaden
Nutzen: Mitreden können am nächsten Morgen in der Kantine.
Schaden: Nicht mitreden können am nächsten Morgen in der Kantine.

5. Fortschritt und Innovation
Von Fortschritt würde ich nicht gerade sprechen: aber innovativ sind die zahlreichen Dschungelprüfungen allemal. Mal schauen, was die sich heute haben wieder einfallen lassen …

6. Ungewöhnliches
Hier bedarf es wohl keiner weiteren Beschreibungen.

7. Menschen
Menschen machen eine Information interessant und zu einer Nachricht. Besonders dann, wenn wir diese Menschen „kennen“ – das muss nicht unbedingt persönlich sein, ein paar (A-, B-, C-Promis tun es auch.

8. Emotionen
Nur eine kleine Auswahl der Schlagzeilen:
- Tränentag im Dschungelcamp
- Verwandtenbriefe bringen Camper zum Weinen
- Spielt Jay mit Indiras Gefühlen?
- Fies: Freund hat Schluss gemacht!
Alle Schlagzeilen stammen von der Dschungelcamp-Website (Anmerkung: Ausgabe 2011) – da gibt’s noch mehr …

9. Provokation und Dramatik

Dafür sorgen die Kandidaten im Camp und danach. Und falls nicht, haben die Moderatoren genug provokante Sprüche auf Lager.

10. Erotik
Ja, auch ;-)

Sie sehen, das Camp hat alles, was eine Information (Ein paar Leute hocken im australischen Busch und vertreiben sich die Zeit) zu einer Nachricht (Information und Punkte 1 bis 10) macht. Und weil Journalisten und Redakteure Informationen und deren Relevanz für ihre Leser, Zuschauer und Zuhörer nach genau den gleichen Merkmalen beurteilen, kommen auch sie nicht um das Camp herum. Und wir alle, die wir uns das allabendliche Dschungel-Leben nicht im TV antun, sind trotzdem gut informiert.

Bleibt noch die Antwort auf die Frage, was PRler vom Dschungelcamp lernen können: Wenn Sie wollen, dass Ihre Presseinformation bei Journalisten auf offene Arme stößt, machen Sie aus der Information eine Nachricht. Das geht auch ohne Dschungelcamp. Wie, das erfahren Sie hier ...

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