Montag, 14. Februar 2011

Frau Sch. liest meinen Blog nicht

Ich hatte es zwar geahnt, ganz sicher wusste ich es aber nicht. Seit letztem Mittwoch schon: Manuela Schwesig , SPD-Verhandlungsführerin in Sachen Hartz IV, kennt und liest meinen Blog nicht. Sonst hätte sie in meinen Verhandlungstipps* sicher solche Empfehlungen wie "Machen Sie sich nicht zum Verhandlungsgegner" oder "Zollen Sie Ihrem Gegenüber Respekt" lesen können und ihr Auftritt im ZDF-Morgenmagazin wäre vielleicht etwas anders verlaufen ...

"Gestern war ganz deutlich zu spüren, dass die Bundesministerin Frau von der Leyen und die FDP und CSU den klaren Auftrag von der Kanzlerin hatten, diese Verhandlung zum Scheitern zu führen. Es war kein, überhaupt gar kein Gefühl dafür da ... Da ist die Kanzlerin eingeknickt, weil sie Ruhe haben will ... Frau Merkel ist eine eiskalte Machtpolitikerin", so Schwesig im Interview mit MoMa-Moderator Cherno Jobatey.

Auch wenn es tatsächlich so gewesen wäre (was nur die beurteilen können, die dabei waren), auch wenn die Verärgerung über die geplatze Verhandlungsrunde vielleicht nachvollziehbar ist, auch wenn Wahlen vor der Tür stehen: aus verhandlungstaktischer Sicht war Schwesigs öffentliche Kanzlerin-Schelte weder konstruktiv noch professionell. Machen Sie sich nicht zum Verhandlungsgegner und zollen Sie Ihrem Gegenüber Respekt - jemanden eine "eiskalte Machtpolitikerin" zu nennen hat damit zweifellos nichts zu tun.

Denn: Wie immer eine Verhandlung ausgehen mag, was immer Sie über Ihren Verhandlungspartner denken mögen. Nie sollten Sie ihn im Nachhinein in der Öffentlichkeit derart schlecht aussehen lassen oder ihm so deutlich und abwertend Negatives unterstellen. Damit könnten Sie für immer alle Türen zuschlagen und einen Fortgang dieser oder weiterer Verhandlungen verhindern. Und auch Ihr Image als Verhandlungspartner würde massiv leiden: wer verhandelt schon gern mit jemanden, von dem er im Nachhinein nichts Gutes zu erwarten hat?

Glücklicherweise haben Spitzenpolitiker schnell reagiert und die Lage gerade noch gerettet - die Türen öffeneten sich wieder einen Spalt, die Verhandlungen gehen weiter. Ob mit einem neuen Verhandlungsführer auf SPD-Seite bleibt abzuwarten. Denn genau aus diesem Grund werden normalerweise keine unverzichtbaren "Entscheider" zu Verhandlungsführern gemacht: damit man sie im Fall des Falles austauschen kann.

* Nicht nur in meinen Verhandlungstipps findet man solche Empfehlungen, auch die einschlägige Fachliteratur ist voll davon, z. B.:

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