Fünf Tipps, wie Sie im Krisenmanagement nicht weiterkommen

Bisher habe ich mich ja rausgehalten aus der Plagiats-Affäre unseres Bundesverteidigungsminister.
Aber nun muss – nein will – ich doch. Es sind jedoch nicht die Vorwürfe an sich, die mich interessieren. Darum kümmern sich andere und die letzte Entscheidung in Sachen Dr.-Titel liegt bei der Uni Bayreuth. Es ist das Krisenmanagement, das mein Interesse geweckt hat. Krisenmanagement, wie es nicht sein sollte und ein Lehrstück für alle, die es im Fall des Falles besser machen wollen.

Fünf Tipps, wie Sie im Krisenmanagement nicht weiterkommen

Tipp 1: Die unmögliche Tatsache
Nutzen Sie die Kraft der unmöglichen Tatsache, auch als Palmström-Prinzip bekannt. Sie geht auf ein Gedicht von Christian Morgenstern zurück, der die Figur Palmström erschuf und ihn in seinen Gedichten verschiedene Situationen erleben ließ. Das Palmström-Prinzip wurde besonders durch die letzte Strophe seines Gedichts „Die unmögliche Tatsache“ bekannt:

„Und er kommt zu dem Ergebnis:
Nur ein Traum war das Erlebnis.
Weil, so schließt er messerscharf,
nicht sein kann, was nicht sein darf.“


In der Kommunikation ist es hilfreich, die Unmöglichkeit einer behaupteten Tatsache noch durch Adjektive wie etwa „abstrus“ zu verstärken und sie damit ins Reich der Fantasie bzw. der Hirngespinste zu verweisen.

Tipp 2: Wahrheit ja, aber nur scheibchenweise
Sollten Sie mit Tipp 1 nicht durchkommen, dürfen – nein müssen – Sie mit der Wahrheit herausrücken. Aber nicht mit der ganzen, nur scheibchenweise. Am besten nur das, was ohnehin unwiderlegbar ist und alle wissen. Die Salamitaktik im Krisenmanagement.

Tipp 3: Nutzen Sie rhetorische Hintertürchen
Hintertür 1: Nehmen Sie selbst die schwere Last der Schuld von sich. Das ist zwar nicht im Sinne des Erfinders, aber ziemlich praktisch. Setzen Sie das Verständnis des/der Geschädigten für Ihr Fehlverhalten einfach voraus – der deutsche Sprachgebrauch macht‘s möglich (siehe Zwiebelfisch-Kolumne „Entschuldigen Sie mich – sonst tu ich es selbst!")

Hintertür 2: Während bei der Entschuldigung die erste Person Singular (Ich …) angebracht ist, dürfen Sie danach gern verallgemeinern: Wir, man (… kann den Überblick verlieren) – gern auch in Verbindung mit dem völlig unpersönlichen „es“ (… kann passieren). Das bringt Sie aus der Schusslinie und macht deutlich, dass das ja hätte jedem widerfahren können - ganz nebenbei schaffen Sie sich Verbündete und genügend emotionalen Abstand zum Geschehen.

Hintertür 3: Achten Sie auf jedes sprachliche Detail - unverzichtbar für die exzellente Durchführung der Salamitaktik und der Vorbereitung des nächsten Scheibchens. Das verdeutliche ich am besten mit einem Beispiel:
1. Aussage: Ich werde vorübergehend nicht mehr Auto fahren …
2. Aussage: Wie ich es kürzlich bereits sagte, und das war richtig: Ich werde nicht mehr Auto fahren …
Allein das Weglassen des Wortes „vorübergehend“ bringt eine neue Dimension, das nächste Scheibchen … und das haben Sie ja von Anfang an so gesagt.

Tipp 4: Alles zurück auf Start
Sehen Sie sich in einer schier ausweglosen Situation, insbesondere was Ihre vorhergehende Argumentation betrifft, setzten Sie alles zurück auf Start. Dies kann etwa durch eine kurze Auszeit geschehen, die Sie zu einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Problem genutzt haben.
Nach der Auszeit kommen Sie geläutert und erklären in Demut:
"Ich habe mich [hier Zeit einfügen] mit [hier Sachverhalt einfügen] beschäftigt und ich muss sagen, ich habe schwere Fehler gemacht."

Tipp 5: Asche aufs Haupt
Nachdem alles wieder auf Start steht, streuen Sie sich jede Menge Asche aufs Haupt. Dann schütteln Sie sich verbal, so dass auch alle anderen etwas davon abbekommen (nach einem Aphorismus in Claudia Fischer, Lebensweisheiten von A-Z). Nutzen Sie dazu geschickt das zweite rhetorische Hintertürchen, verweisen Sie mit Nachdruck auf die wirklich wichtigen Probleme in unserer Welt und machen Sie deutlich, dass Sie für die Ihrigen wie ein Fels in der Brandung stehen.

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