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Sage mir, was Du postest, und ich sage Dir, wer Du bist!

Kaum zu glauben! Ein Schreiben mit folgendem Inhalt erhielt ich heute von der Zentrale für die Erfassung, Speicherung und Verknüpfung persönlicher Informationen:
„Sehr geehrter Herr Stein,
im Zuge der Vereinfachung der Erfassung, Speicherung und Verknüpfung persönlicher Informationen bitten wir Sie künftig um mindestens tagesaktuelle Mitteilung folgender Angaben zu Ihrer Person:

- Zufriedenheit mit Ihrer Lebenssituation
- Zufriedenheit mit Ihrer beruflichen Situation
- durchgeführte und geplante Tätigkeiten
- aktuelle und geplante Aufenthaltsorte
- derzeitige Gemütsverfassung
- … “

Weitere mir sehr seltsam anmutende Informationsbedürfnisse folgten. Und noch bevor ich meine Frage Was machen die eigentlich mit diesen Daten? so richtig zu Ende denken konnte, erklärte man mir im Schreiben, wozu das alles gut sein soll:
„Die gelieferten Informationen werden von uns erfasst, gespeichert und zu einem Persönlichkeits-, Interessen- und Bewegungsprofil verknüpft. Die gewonnenen Informationen stellen wir interessierten Institutionen, Unternehmen und Personen auf Anfrage zur freien Verfügung.“
Wie bitte?

Natürlich existiert die Zentrale für die Erfassung, Speicherung und Verknüpfung persönlicher Informationen nur in meiner Fantasie.
Natürlich habe ich auch solch ein Schreiben niemals erhalten.
Natürlich wäre ich (und sicher nicht nur ich) zu recht schockiert, wenn es so etwas tatsächlich gäbe.

Auf der anderen Seite:
Natürlich finde ich Informationen, wie sie im fiktiven Schreiben der fiktiven Zentrale für die Erfassung, Speicherung und Verknüpfung persönlicher Informationen von mir eingefordert werden, zuhauf im Internet, besonders auf den Social Media Plattformen:
  • Heute posten wir unsere Lieblings-Marken in unser öffentliches VZ-Profil, um uns eine Woche später über die neuen Kataloge zu wundern
  • Eben philosophieren wir am Stammtisch über die vermeintlich illegale Vorratsdatenspeicherung. Mit dem Smartphone in der Hand twittern wir derweil gelassen: „I’m at Rudi’s Kneipe und nach dem fünften Bier sind die Kippen alle …“
  • Unsere virtuellen Fotoalben sind voller persönlicher Fotos, die unsere Eltern zu ihrer Zeit wohl nicht mal ihren Freunden gezeigt hätten. Wir zeigen sie gleich der ganzen Welt. Dass auch noch ein paar andere Gesichter mit drauf sind, stört uns wenig.
  • Und weil mir etwas echt aufs Gemüt geschlagen ist, teile ich die nächsten drei Stunden alle Depri-Songs via Facebook. Gefällt mir.
Alles nur Beispiele. Stimmt.

Aber schauen Sie sich mal bei Facebook, Twitter, VZ & Co. um. Überlegen Sie sich, was man aus den manchmal unbedacht veröffentlichten Informationen alles folgern kann. Erst recht, wenn man sie miteinander verknüpft. Das muss nicht mal in großem Stil geschehen – ich glaube an keine Verschwörungstheorie.
  • Kommt Ihnen mancher Verhandlungspartner irgendwie besonders geschickt vor?
  • Wieso fragt der Personaler im Vorstellungsgespräch bei bestimmten Punkten so intensiv nach, als wüsste er irgendwas?
  • Woher kennt der Verkäufer eigentlich Ihre persönlichen Hobbys und Vorlieben?
  • Woher weiß der Versicherungsvertreter, dass Sie sich gerade jetzt nach ein bisschen mehr Sicherheit sehnen?
Auch alles nur rein fiktive Beispiele.

Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung ist in Deutschland in der Ausprägung als allgemeines Persönlichkeitsrecht im Grundgesetz verankert (Mehr Infos: "Informationelle Selbstbestimmung" bei Wikipedia). Die größte Verantwortung im Umgang mit schützenswerten Informationen liegt aber längst nicht mehr beim Staat, beim Gesetzgeber oder bei Unternehmen, die Informationen erfassen, speichern und verwerten.

Die größte Verantwortung, die Entscheidung zwischen informationeller Selbstbestimmung und informationellem Exhibitionismus, liegt bei jedem einzelnen.

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