Drei Ratschläge, mit denen Sie nichts anfangen können

Hin und wieder passiert es eben doch: Verwandte, Freunde, Bekannte, mitunter professionelle Berater und Coaches geben Ratschläge, mit denen Sie so rein gar nichts anfangen können. Mal sind sie schnell und unbedacht gegeben, ein anderes Mal wirklich gut gemeint (wobei es dann durchaus stimmt, dass gut das Gegenteil von gut gemeint ist …). Was sie aber in beiden Situationen auf jeden Fall sind: Für den Empfänger sinn- und nutzlos.



Ratschlag 1:
Seien Sie doch mal spontan!

Danke. Jetzt gleich? Oder erst morgen? Laut Duden bedeutet spontan ...
... aus einem plötzlichen Impuls heraus, auf einem plötzlichen Entschluss beruhend, einem plötzlichen inneren Antrieb, Impuls folgend
oder
... von selbst, ohne [erkennbaren] äußeren Anlass, Einfluss [ausgelöst].
Schon mit dem gut gemeinten Ratschlag, doch mal spontan zu sein, stecke ich mittendrin im „Sei-spontan-Paradoxon“. Denn: Bin ich spontan, wenn ich etwas tue, weil mir jemand geraten hat, spontan zu sein? Schon der eigene Gedanke, endlich mal so richtig spontan sein zu wollen, macht jegliche Spontaneität zunichte.


Ratschlag 2:
Denken Sie einfach nicht dran!

Jemanden mit einer Redehemmung vor seinem Vortrag mit einem „Keine Angst, denk einfach nicht an die vielen Menschen und daran, dass Du Dich versprechen könntest“ freundschaftlich auf die Schulter zu klopfen ist ein wahrer Bärendienst. Denn er wird an nichts anderes mehr denken als die vielen Menschen, vor denen er sich sicher gleich versprechen und vermutlich fürchterlich blamieren wird. Und er wird Angst haben ohne Ende.

Und jetzt – natürlich – mein Lieblingsexperiment.
Bitte lesen Sie folgenden Satz aufmerksam durch:

Denken Sie jetzt nicht an einen roten Affen!

Warum Sie doch daran gedacht haben, erfahren Sie hier: Klare Worte: Drei Tipps für eine starke Rhetorik


Ratschlag 3:
Das vergessen Sie besser ganz schnell!

Unser Gehirn ist mit einer sehr wichtigen Funktion ausgestattet: es ermöglicht uns, Dinge zu vergessen. Das ist nicht zu unserem Vorteil, wenn es sich dabei um die Wohnungsschlüssel, den PIN-Code der Geldkarte oder den Hochzeitstag handelt. Im Großen und Ganzen ist es jedoch eine ziemlich nützliche Funktion, weil sie uns von unnötigem gedanklichen Ballast befreit. So wandern nicht benötigte Informationen direkt nach der Aufnahme ohne Zwischenspeicherung in den virtuellen Papierkorb oder werden dort entsorgt, wenn wir sie lange Zeit nicht benutzt haben.

Allerdings: Mit dem bewussten Vergessen haben wir so unsere Probleme – es will einfach nicht gelingen. Denn in dem Moment, in dem wir uns die zu vergessende Information bewusst machen, rufen wir sie ab und holen sie in unseren aktiven Speicher. Da ist sie nun um so präsenter – obwohl wir sie doch vergessen wollten ...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen