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Lügen wie gedruckt: Was Münchhausen so erfolgreich machte

Seit den Erzählungen des Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen, der es darin mit der Wahrheit nicht immer so genau nahm, hat sich die Bezeichnung „Lügenbaron“ zu einem geflügelten Wort gemausert. Dabei schwingt schon ein wenig Anerkennung mit – denn ein Lügenbaron, der diesen Titel wirklich verdient, lügt nicht nur häufig und besonders ausschweifend. Er lügt vor allem: ziemlich überzeugend. Aber was macht einen perfekten Lügner aus? Weshalb lügen manche Menschen überzeugender als andere? Warum neigen wir dazu, bestimmten Zeitgenossen eher zu glauben als anderen?



Diesen Fragen stellte sich ein Team von Wissenschaftlern um den Psychologen Aldert Vrij von der University of Portsmouth und meint, 18 Eigenschaften gefunden zu haben, die einen besseren Lügner ausmachen – eine Auswahl finden Sie hier:

Die besseren Lügner ...

... sind manipulativ.
Wer ohnehin ständig manipuliert und intrigiert kennt kaum moralische Skrupel. Schuldgefühle? Angst aufzufliegen? Fehlanzeige. Gefühle, die man nicht hat, können einen auch nicht verraten.

... sind gute (Schau-)Spieler.
Wer oft in andere Rollen schlüpft, dem fällt Lügen nicht schwer. Und er fühlt sich sicher dabei. (Die Bezeichnung Schau-Spieler gilt hier im übertragenen Sinn, nicht in der engen beruflichen Bedeutung.)

... wirken authentisch.
Authentische Menschen machen auf andere einen ehrlichen Eindruck. Ihr Verhalten wirkt offen und ehrlich und entzieht jeder Verdächtigung die Grundlage.

... sind attraktiv.
Ob uns das nun gefällt oder nicht: Attraktive Menschen haben einen Bonus – sie werden eher als sympathisch und ehrlich empfunden als weniger attraktive Menschen.

... sind „natural Performer“.
Es gibt Verhaltensweisen, die lassen unseren Gegenüber verdächtig erscheinen, andere wiederum stehen für Offenheit, Ehrlichkeit und Sympathie. Bei einem echten „natural Performer“ finden sich erstere Verhaltensmuster praktisch nie, die positiven scheint er in die Wiege gelegt bekommen zu haben – niemand kennt ihn anders.

... sind routiniert.
Wer routiniert ist im Lügen, kann besser mit den Gefühlen Schuld und Angst umgehen. Sie sind deutlich weniger präsent und deshalb durch den Gegenüber auch kaum bis gar nicht zu erkennen.

... sind selbstsicher.
Die richtige Einstellung ist alles: Andere von seinen Worten zu überzeugen gelingt dem am besten, der von sich selbst überzeugt ist.

... beherrschen die emotionale Tarnung.
Wer eine eindrucksvolle Mimik und Gestik an den Tag legt, offenbart damit seine Gefühlswelt: „Sieh her, so geht es mir, ich habe nichts zu verbergen.“ Bewusst, ausdrucksstark und effektvoll eingesetzt lassen sich hinter der „emotionalen Maske“ die wahren Gefühle allerdings auch gut verbergen.

... sind eloquent.
Sprachgewandtheit hilft, den Gegenüber „bei Laune“ zu halten – ohne viel dabei sagen. Zeitgewinn für die Perfektionierung der eigenen Argumentation.

... sind gut vorbereitet.
Eine Lüge aus dem Stegreif zu konstruieren ist für unser Gehirn Schwerstarbeit und bindet jede Menge Ressourcen – die für andere Aufgaben dann nicht zur Verfügung stehen. Gute Lügner bereiten sich vor und legen sich ihr Konstrukt gedanklich zurecht.

... geben Informationen, die man nicht prüfen kann.
Detailinformationen sind oft schnell nachprüfbar, bringen den Lügner in Bedrängnis und lassen ein Lügengebäude rasch in sich zusammenstürzen. Überzeugende Gedächtnislücken („Daran kann ich mich leider nicht erinnern“) schaffen Freiraum.

... informieren so wenig wie möglich.
Wenn der vorhergehende Punkt keine Option ist, werden die Informationen auf ein Minimum reduziert. Je weniger Informationen verfügbar sind, um so schlechter sind diese zu überprüfen.

... sind empathisch.

Mimik und Gestik bei anderen richtig zu deuten und deren Emotionen zu erkennen ist beim Lügen hilfreich. Wer das kann, hat im Blick, ob er noch überzeugt oder sich beim Gegenüber bereits Anzeichen von Misstrauen und Ungläubigkeit zeigen – dann wäre Zeit für geeignete Gegenmaßnahmen.

Soweit die Wissenschaftler. Gestatten Sie mir an dieser Stelle noch zwei ganz praktische Anmerkungen:

  1. Die genannten Eigenschaften unterscheiden einen schlechten bis mittelmäßigen Lügner von einem guten. Wer so ist, dieses Verhalten zeigt, sich so gibt könnte/kann besser lügen als jemand, der nicht so ist.
    Aber bitte: Hüten Sie sich vor dem Umkehrschluss! Nur weil jemand attraktiv oder eloquent ist und immer gut vorbereitet zum Meeting erscheint, ist er deshalb noch lange kein Lügner.

  2. Ähnlichkeiten mit Personen aus Ihrem Umfeld sind zufällig und nicht beabsichtigt. Wenn Sie jetzt sagen: Ich kenne aber so einen – siehe Punkt 1.


Quelle:
Open access journal of forensic psychology, Volume 1: 2009, Vrij, A., Granhag, P. A., & Mann, S. (2009). Good liars. Open Access Journal of Forensic Psychology, 1, E56-E67.

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