Dienstag, 18. Oktober 2011

Kaufen Hundehalter preisbewusster?

Berechtigte Frage, oder? Was meinen Sie? Sind Hundehalter die preisbewussteren Kunden? Und alle anderen werfen das Geld zum Fenster raus. Der junge Mann, der mich letzten Freitag anrief, muss wohl zu diesem Schluss gekommen sein. Zumindest was mich betrifft. Unser Dialog lief etwa so ...

Telefonstimme: "Guten Tag Herr Stein, [Vorname Name] vom [Firmenname]. Wir machen gerade eine Meinungsumfrage und brauchen dafür Ihre Unterstützung. Es dauert auch nur ein paar Minuten ..."
Ich: "Fragen Sie ..."

"Eine Frage vorab: Dürfen wir das Gespräch für eine spätere elektronische Auswertung der Antworten auszeichnen?"
"Ja, dürfen Sie."

"Meine erste Frage: Lebt in Ihrem Haushalt ein Hund?"
"Nein."

"Die nächste Frage: Wenn Sie einkaufen gehen, gehen Sie dann durch die Geschäfte eher nach dem Motto 'Geiz ist geil' oder 'Was kostet die Welt'?"
"Wie bitte ... weder noch."

"Ahhh, ich verstehe, also irgendwas in der Mitte ..."
"Worum geht es sich eigentlich in der Umfrage?"

"Eine ganz normale Meinungsumfrage eben ... vielleicht kann ich Ihnen erst einmal die Fragen stellen, es sind nur noch zwei:
Also: Die Mobilfunktarife sind ja mittlerweile völlig undurchschaubar worden. Angenommen, es gäbe einen Online-Tarifberater, der Sie anruft und für Sie den billigsten Mobilfunktarif raussucht, hätten Sie daran Interesse?"

"Nein."

"So ähnlich wie mit den Telefontarifen ist es ja mit den Stromtarifen. Angenommen, ein Wechsel des Stromanbieters wäre völlig problemlos und Sie würden bei gleicher Leistung viel Geld sparen, würden Sie dann wechseln?"

"Nein."

[etwas irritiert]"Habe ich Sie richtig verstanden? Sie würden genauso Strom geliefert bekommen aber nicht wechseln, wenn Sie dadurch sagen wir 200 Euro im Jahr sparen würden?"
"Nein."

"Sonst hätte ich Ihnen nämlich vorgeschlagen, dass Sie sich Ihre Stromrechnung raussuchen und neben das Telefon legen. Und in den nächsten Tagen würde Sie jemand anrufen, der für Sie einen billigeren Stromanbieter findet."
"Nein, vielen Dank. Ich möchte deswegen nicht angerufen werden. Sie rufen mich bitte auch nicht wieder an."

"Vielen Dank. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag."

Sicher war es keine Meinungsumfrage. Es sei denn, jemand will herausfinden, ob es einen Zusammenhang zwischen der Haltung eines Hundes und der Wechselbereitschaft bezüglich des Mobilfunk- und Energieanbieters gibt. Was ich für ziemlich unwahrscheinlich halte.

Dafür hätte ich mit einem "Ja" auf die Frage zu den Mobilfunk- und Stromtarifen vermutlich mein Einverständnis gegeben, von Anbietern oder Vermittlern selbiger angerufen zu werden. Was das durchführende Unternehmen mit diesem Einverständnis täte - selbst nutzen oder verkaufen - entzieht sich meiner Kenntnis. Am Ende bleibt ein "G'schmäckle", wie der Schwabe sagen würde. Und eine weitere gesperrte Rufnummer in der Fritzbox (tolle Technik).

Nicht falsch verstehen: Als Verkaufstrainer und -Coach (und natürlich Kunde) habe ich ein Herz für Verkäufer. Aber nicht, wenn sie sich durch die Hintertür in meine Privatsphäre zu schleichen versuchen. Sondern nur, wenn sie ordentlich vorn anklopfen und ich sie hereinbitte - ganz persönlich oder virtuell.

Geht nämlich auch:

Ebenfalls letzte Woche bekam ich einen Anruf von meinem früheren Stromlieferanten (der hat dafür mein Einverständnis). Kurz und knapp erklärte mir die freundliche Frau, dass sie uns gern als Kunden zurückgewinnen wollten. Mit einem speziellen Angebot. Sie gab mir noch die Konditionen, damit ich diese mit meiner aktuellen Stromrechnung vergleichen kann. Und sie fragte, wann sie mich wieder anrufen könne - ein Termin war schnell vereinbart. Das ganze Gespräch dauerte keine drei Minuten. Heute der vereinbarte zweite Anruf - keine Minute hat es gedauert.

Freundlich. Vorbildlich. Bis nächstes Jahr.

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