Neulich im Gerne-Hotel ...

Meine Tätigkeit bringt so manche Hotelübernachtung mit sich: vor einem Seminartag, nach einem Seminartag und dazwischen manchmal auch. Neuerdings fahre ich schon mit einem etwas mulmigen Gefühl in meine Herberge, wenn es ein Hotel ist, in dem ich noch nicht war. Ich versuche nämlich, eine ganz bestimmte Hotel-Kategorie zu meiden: Die Gerne-Hotels. Nein, das ist kein Schreibfehler. Ich meine tatsächlich die Gerne-Hotels. Sie wissen nicht, was ein Gerne-Hotel ist? Das erkennen Sie ganz leicht am Dialog mit den Hotelangestellten. Der hört sich in einem Gerne-Hotel ungefähr so an ...


"Guten Tag, ich hatte ein Zimmer auf den Namen Stein reserviert."
"Herzlich willkommen Herr Stein, wir haben Zimmer Nr. 112 für Sie reserviert ... Ihr Zimmerschlüssel, bitte."
"Vielen Dank."
"Gerne."

"Ich würde mir gern kurz den Seminarraum anschauen, in dem ich morgen bin."
"Gerne. Bitte kommen Sie."

"Benötigen Sie noch etwas?"
"Ja, eine zweite Pinnwand brauche ich noch."
"Gerne."
"Und für morgen bitte alle Tische an die Seite stellen und die Stühle in einem Halbkreis in die Mitte."
"Gerne."
"Dankeschön."
"Gerne."


Minuten später im Restaurant ...

"Ich hätte gern ... und ein Pils bitte."
"Gerne."

...
"Bitteschön, Ihr Pils."
"Danke."
"Gerne."

Nicht dass Sie mich falsch verstehen: ich freue mich darüber, wenn jemand etwas gern für mich tut. Dabei ist mir (fast) egal, ob er es gern oder gerne tut. Auch wenn ich das Wort gerne nicht sonderlich mag - laut Duden ist es nun mal erlaubt: gern, ger|ne.

Wenn jemand etwas gern für mich tut, spüre ich das - und es bedarf des ständigen Hinweises "gerne" nicht. Wenn er es nicht gern tut, reißt es auch das inflationäre und automatisierte "gerne" nicht raus. Und nach zwei Stunden Hotel gefühlte hundert Mal das Wort "gerne" kann sogar nerven. Glauben Sie nicht? Probieren Sie es mal aus: mit Ihrem Partner, Verwandten, Freunden ...

Sie finden es gut, dass ich das mal in meinem Blog aufgegriffen habe?

Gerne.

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