Ich kann DAS! oder: Wie Sie Ihre (In-)Kompetenzen wahrnehmen

Können Sie jonglieren? Nein? Haben Sie sich jemals Gedanken darüber gemacht, dass Sie nicht jonglieren können, bevor ich Sie danach gefragt habe? Und wenn Sie jonglieren können: Wie gut? So "Lala" mit zwei Bällen oder doch schon locker einhändig, während Sie mit der anderen Hand eine Tasse Kaffee trinken? Egal, ob Sie jonglieren können oder nicht: Eben haben Sie im Schnelldurchlauf die vier Phasen der Kompetenzentwicklung und -wahrnehmung kennengelernt. Die lassen sich zwar auf alle Kompetenzen (Kenntnisse und Fähigkeiten) anwenden, die Kompetenz des Jonglierens ist aber ein gutes Beispiel, denke ich ...


Denken Sie mal ein paar Jahre zurück.

Noch weiter.

Vor Ihren ersten Kindergeburtstag und Zirkusbesuch. Sie konnten zu diesem Zeitpunkt sicher noch nicht jonglieren. Sie wussten nicht einmal, dass es eine Tätigkeit gibt, bei der man mehr als einen Ball über einen längeren Zeitraum in der Luft in Bewegung hält. Sie waren auf die Kompetenz des Jonglierens bezogen unbewusst inkompetent.
Phase 1: Unbewusste Inkompetenz
Bestimmte Fähigkeiten, Wissen, Fertigkeiten besitze ich nicht. Das ist aber nicht weiter tragisch, weil sie mir unbekannt sind. Und wenn mir eine Kompetenz nicht bekannt ist, kann ich mich auch nicht inkompetent fühlen.

Dann irgendwann der erste Zirkusbesuch oder der Clown beim Kindergeburtstag - was der kann! Mit zwei, drei, vier Bällen. Mussten Sie zuhause auch gleich probieren. Hat aber nicht funktioniert. Nicht mal zwei Bälle länger als fünf Sekunden. Entnervt pressten Sie irgendwann ein "ich kann's nicht" aus sich heraus und stellten damit Ihre bewusste Inkompetenz fest.
Phase 2: Bewusste Inkompetenz
Ich erkenne, dass es etwas gibt, was ich nicht kann - weil ich an Grenzen stoße, nach etwas gefragt werde, ein Problem nicht lösen kann. Stelle ich im Vergleich zwischen der geforderten und meiner vorhandenen Kompetenz eine erhebliche Diskrepanz fest, wird mir meine Inkompetenz bewusst. Diese bewusste Inkompetenz kann ich so akzeptieren oder beseitigen.

So einfach geben Sie sich natürlich nicht geschlagen. Schließlich ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, Übung macht jedoch einen. Also üben Sie, Tag für Tag, Woche für Woche. Und schon nach kurzer Zeit schaffen Sie es, drei, manchmal sogar vier Bälle über mehrere Minuten in der Luft zu jonglieren. Wenn Sie nicht grad das klingelnde Telefon ablenkt und alle Bälle auf Sie niederprasseln. Sie jonglieren gut, wenn Sie es denn ganz bewusst tun.
Phase 3: Bewusste Kompetenz
Ich habe mich fürs Beseitigen entschieden und die Diskrepanz überwunden. Ich beherrsche die neue Fähigkeit, wenn ich mich bewusst darauf konzentriere. Zumindest habe ich das subjektive Gefühl, das es so ist. Durch Selbst- und Fremdbeobachtung lässt sich diese Kompetenz über das subjektive Gefühl hinaus bestätigen.

Heute jonglieren Sie mit beinahe allem, was man Ihnen in die Hand drückt. Manchmal ohne dass Sie das merken. Flink wandert der Kugelschreiber im Meeting durch Ihre Finger. Auf dem Rückweg in Ihr Büro "tanzen" zwei zusammengenknüllte Stück Papier über Ihrer rechten Hand, während Sie mit links die Türklinke herunterdrücken. Sie jonglieren wie Sie Auto fahren: unbewusst kompetent.
Phase 4: Unbewusste Kompetenz
Ich muss mich nicht mehr bewusst auf meine Fähigkeit konzentrieren, um das bestimmte Verhalten zu erbringen. Ich verhalte mich automatisch richtig und ohne dass mir das immer bewusst ist.


Vier praktische Tipps für den Umgang mit (In-)Kompetenzen:

Phase 1:

Paradiesisch! Ich kann es nicht und fühle mich nicht schlecht dabei - weil ich es nicht weiß und es nicht brauche. Niemand kann alles.

Phase 2:
Ich weiß, dass ich es nicht kann. Und ich habe die Freiheit zu entscheiden, was ich tue: Ich lebe mit dieser Inkompetenz oder ich muss es ändern.

Phase 3:

Ich kann es, wenn ich es ganz bewusst tue - ebenso bin ich mir bewusst, dass mir noch Fehler unterlaufen können. Ich beobachte mich selbst, hinterfrage und nehme Feedback gern an.

Phase 4:
Hin und wieder nehme ich mir die Zeit, mir unbewusste Kompetenzen wieder bewusst zu machen. Was sind das für Kompetenzen, die ich unbewusst nutze? Kann ich einige besser als bisher nutzen? Kann ich Sie weiter auf- und ausbauen?

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