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Der Kunde ist der wahre Chef


"Ein Kunde ist die jeweils wichtigste Person in dem Betrieb. Er ist nicht von uns abhängig, sondern wir von ihm. Er bedeutet keine Unterbrechung in unserer Arbeit, sondern ist ihr Inhalt. Er ist kein Außenseiter unseres Geschäfts, er ist ein Teil von ihm. Er ist niemand, mit dem man sich streitet. Denn niemand wird jemals einen Streit mit einem Kunden gewinnen. Ein Kunde ist eine Person, die uns ihre Wünsche mitteilt. Unsere Aufgabe ist es, diese zu seiner Zufriedenheit auszuführen."

Hans-Heinrich Path im Kloster Eismar, ca. 12. Jahrhundert

Tolles Zitat, oder?
Mehrfach ist es im Internet, in verschiedenen Büchern, sogar in wissenschaftlichen Abhandlungen zu finden. Ich habe es zum ersten Mal bei einem Trainerkollegen gelesen, jedoch ohne Quellenangabe. Als ich es in meinem Blog verarbeiten wollte, machte ich mich auf der Suche nach dem Autor. Der Skeptiker in mir ließ alle Alarmglocken klingen:
Hans-Heinrich Path im Kloster Eismar, ca. 12. Jahrhundert
Sollte das stimmen? Eine solche Voraussicht, Satzbau, Wortwahl bereits im 12. Jahrhundert? Das passt irgendwie nicht in mein Bild von dieser Zeit. Also schnell ein paar Sätze gegoogelt ‒ das ist spannend.

Wahlweise wird aus dem Kloster Eismar das Kloster Cismar, aus dem 12. auch schon mal das 14. Jahrhundert. Und, vielleicht um dem Zitat noch mehr Nachdruck zu verleihen, bekommt Hans Heinrich Path mancherorts den Status Mönch oder Pater vorangestellt:



Die weitere Recherche bringt dann etwas Licht ins Dunkel:
Das Kloster Eismar gibt es nicht, wohl aber das Kloster Cismar. In der Frakturschrift ähnelt das große C dem großen E, und so wird aus Cismar schnell Eismar.

Hans-Heinrich Path gab es tatsächlich. Und er hatte definitiv mit dem Kloster Cismar zu tun. Allerdings nicht als Mönch und nicht im 12. Jahrhundert. Path ‒ geboren am 9. Juli 1934, gestorben am 13. Dezember 1984 ‒ war Schriftenschreiber und schrieb im Kloster Cismar Überlieferungen aus dem Klosterarchiv, aber auch Zitate und Sinnsprüche bekannter Persönlichkeiten und unbekannter Herkunft in alter Schriftkunst nieder.

Im Dialog-Verlag Reinbek erschienen insgesamt drei Bücher mit einem Auszug aus seinen Werken. Der Titel der drei Bände sieht etwa so aus:


Das erklärt einiges, oder? Meine Vermutung: Path fand diesen Sinnspruch, den er irgendwo gelesen hatte, so treffend, dass er ihn in alter Schriftkunst zu Papier brachte. Nach seinem Tod fand der Spruch Eingang in einen der drei genannten Bände der geschriebenen Weisheiten (leider haben weder Herausgeberin noch Verlag meine Annahme bislang bestätigt). Von dort wurde er einmal mit einer falschen Quellenangabe übernommen und verbreitete sich munter weiter … in Firmenphilosophien, Fachbücher zum Thema Marketing und Kundenorientierung, wissenschaftliche Abhandlungen. Na klar, klingt auch gut, wenn ein Mönch im 12. Jahrhundert schon wusste, worauf wir uns gerade besinnen.

Eine abweichende Quelle habe ich dann doch noch gefunden:
Kaufhof soll mit diesen Zeilen im Jahr 1958 die Wichtigkeit seiner Kunden dokumentiert haben, schreibt handelswissen.de
Autor hin oder her ‒ die undurchsichtige Herkunft tut dem Inhalt des Zitats keinen Abbruch. Ich würde sogar noch einen Satz hinzufügen:

Der Kunde ist der wahre Chef des Unternehmens. (Quellen)

Kommentare

  1. Gute Recherche, danke. Ich kann mich an ein ähnliches Zitat der IBM aus den späten 50ern oder Anfang 60 erinnern, habe aber die Quelle noch nicht gefunden.

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  2. Siehe auch hier:
    http://quoteinvestigator.com/2012/08/02/gandhi-customer/

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  3. Bin jetzt etwas endtäuscht ! Habe dieses Zitat zum ersten Mal bei einer Verkaufsschulung gelesen vor vielen Jahren .Ich habe es jetzt im Internet gesucht ,weil mir die geniale Idee kam es in meiner Facharbeit zum Meister des Handels einzusetzen . War wohl doch nicht soo genial meine Idee ?

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    1. Vielleicht eignet es sich gerade wegen seiner unklaren Herkunft zum Einsatz in der Facharbeit: Jeder verwendet es - Unternehmen, Privatpersonen, Berater, Trainer, Wissenschaftler. Man hält es für so selbstverständlich, dass man es ohne Prüfung der näheren Umstände einem im 12. Jahrhundert lebenden Mönch zuschreibt. Aber dennoch sieht die Realität oft so viel anders aus ... ;-)

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    2. Ich habe mich jetzt doch entschlossen dieses Zitat in meine Facharbeit einzubauen,
      weil es in so einfacher Weise den Sinn unserer Arbeit ausdrückt.
      Danke für den guten Rat.

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  4. Danke für die Recherchen!:)
    Habe mich im Grübeln über die zeitliche Verortung des Zitats wiedergefunden.
    War mir nicht sicher, ob ich das Zitat in einem Referat verwenden sollte, mich aber mittlerweile dafür entschieden. Geht ja um Marketing, wo ja auch nicht alles echt ist;)
    Nette Geschichte zum Schmunzeln:)
    Lg, Alexander

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    1. Hallo Alexander, da ging es Dir wohl wie mir: Mich machte die ursprüngliche zeitliche Verortung stutzig und ich ging auf Spurensuche. Mit der von Dir genannten Intention wäre das Zitat auch ein guter Einstieg mit einer späteren überraschenden Auflösung. Gern darfst Du meinen Blog auch weiterempfehlen ... ;-) ... und viel Erfolg beim Referat!

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    2. Vielen Dank für die kritischen Recherchen.
      Wir wollten dieses Zitat in unserer Firma veröffentlichen. Mich hat das 12. Jahrhundert stutzig gemacht - konnte mir nicht vorstellen, dass sich die Menschen schon damals so mit Kundenmarketing beschäftigt haben sollen.
      Alle drei Bände "Geschriebene Weisheiten" habe ich bestellt, um im Primärtext den Originaltext zu finden - leider vergeblich!!!
      Hans-Heinrich Path lebte von 1934 bis 1984 und hat im ehemaligen Benediktinerkloster Cismar ! in alter Schriftkunst Zitate, Sprüche und Weisheiten zusammengesucht und schön geschrieben.
      Doch die "Weisheit über den gelungenen Umgang mit Kunden" habe ich vergeblich gesucht.
      Übrigens: Im Vorwort schreibt die Herausgeberin, dass Path "[...] der Wohlhabenheit und dem schnellebigem Ruhm in der Welt der Werbung entsagte zugunsten innerer Einkehr [...]" !
      Bleibt nun nur noch die Frage offen, von wem das Zitat nun tatsächlich stammt!

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    3. Herzlichen Dank für den Kommentar und die weitere Recherche. Dass die ursprüngliche Quelle offensichtlich kaum mehr eindeutig zu ermitteln ist, tut der Wertigkeit des Inhalts ja keinen Abbruch. Mit "Verfasser unbekannt" wären Sie aber immer noch näher dran als die meisten anderen ... ;-)

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