Mittwoch, 10. April 2013

Und wenn es nicht die Wahrheit ist …


… so ist es gut erfunden, sagt der Volksmund in Anlehnung an die Worte des Philosophen Giordano Bruno. Aber wie erkenne ich, ob etwas die Wahrheit ist oder (mehr oder weniger) gut erfunden? Ohne Übung und konkrete Anhaltspunkte liegt unsere Trefferquote um die 50 Prozent. Wenn wir also "Lüge" oder "Wahrheit" auswürfeln würden, wären wir ähnlich erfolgreich – oder erfolglos. Je nachdem, wie man es betrachtet.

Dabei gibt es Anzeichen, die auf eine Lüge oder Stress (der entsteht beim Lügen, zumindest bei den meisten Lügnern) hindeuten können. Ähnlich wie ein Vulkan kann ein Lügner nach außen scheinbar völlig ruhig wirken, obwohl es in ihm brodelt und kocht. Hin und wieder bahnen sich jedoch ein paar Signale den Weg nach außen. Um beim Bild zu bleiben, nehme ich einen der bekanntesten Vulkane, den Vesuv, als Eselsbrücke …

V wie Verhalten
  • plötzliche Änderungen im Verhalten (Abweichungen von der sog. Baseline)
  • extrem kontrolliertes Verhalten (wenig bis keine Mimik, Gestik)
E wie Expression
  • welche mimischen Gefühlsausdrücke treten auf, zu welchem Zeitpunkt
  • welche mimischen Gefühlsausdrücke werden offen gezeigt, welche sind nur durch Mikroausdrücke erkennbar (weil sie unterdrückt werden)
  • treten Gefühlsausdrücke unpassend auf (z. B. die Freude über eine erfolgreiche Lüge bei einem eher ernsten Thema)
S wie Stress
  • körperliche Stress-Symptome wie Schwitzen, verstärktes Blinzeln
  • sprachliche Stress-Symptome wie hohe Stimme, lange bzw. untypische Pausen, Rückfall in Dialekt
  • fortwährendes Wiederholen der gestellten Fragen (mit dem Ziel von Zeitgewinn)
  • Rituale (volkstümlich auch Übersprungshandlungen genannt wie an die Nase/ans Ohrläppchen fassen, Haar zurückstreichen ...)
U wie Unstimmigkeiten
  • Unstimmigkeiten zwischen Inhalt und Körpersprache
  • Unstimmigkeiten im Inhalt
V wie verbaler Ausdruck und Inhalt
  • Detailarmut in der Erzählung
  • Unsicherheit/Probleme beim zeitlichen Seiteneinstieg in die Geschichte bzw. bei einer Richtungsänderung (vom Schluss her erzählen) oder beim Hinterfragen bestimmter Details
  • wenig Ich-Bezogenheit
  • Vorhandensein von Insiderwissen (in der Kriminalistik das Täterwissen)

Bevor Sie Ihre neuen Erkenntnisse jetzt ausprobieren und Ihre Zeitgenossen manch großer oder kleiner Lüge überführen, sollten Sie sich folgende drei Punkte bewusst machen:
  1. Lügen haben auch eine soziale Komponente, sind Kitt und Schmiermittel unserer sozialen Struktur. Mutter Natur hat uns nicht umsonst NICHT mit einem perfekten Lügenscanner ausgestattet. Bevor Sie Ihren Mitmenschen auf Schritt und Tritt misstrauen, stellen Sie sich folgende Frage: Käme ich einen ganzen Tag, eine ganze Woche, einen Monat ohne eine Lüge zurecht? Hin und wieder könnte das schon mit einem "Guten Morgen" schwierig werden … ;-)
  2. Manche Lüge zielt nicht darauf, einem anderen zu schaden, sondern nur, den Lügner zu schützen. Zum Beispiel, weil der sich für etwas schämt. Ist die Lüge erkannt, gehen Sie sensibel und ethisch vertretbar damit um. Nicht jede erkannte Lüge ist es wert, aufgedeckt zu werden.
  3. Vieles, was volkstümlich als "Lügensignal" gedeutet wird, ist lediglich ein Zeichen von Stress oder Angst. Das kann auf eine Lüge hindeuten, muss aber nicht. Lügen zu erkennen bleibt schwierig und komplex (egal, für wie gut Sie sich halten). Tappen Sie also nicht in die Lügen-Erkennungs-Falle und hüten Sie sich vor dem Othello-Effekt!

Der Lüge auf der Spur 


… war ich in der drehscheibe DEUTSCHLAND am 10. April 2013.

Weitere Blogbeiträge zum Thema >>Lügen

Literatur zum Thema Lügen erkennen (Partnerlink zu amazon.de):



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen