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Fünf populäre Irrtümer der Körpersprache

Was denkt mein Gegenüber, was plant es? Ist mein Gesprächspartner aufgeregt oder entspannt? Sagt der Verkäufer die Wahrheit oder lügt er mich an? Folgt mir mein Zuhörer noch oder hat er längst "auf Durchlauf" geschalten? Wie kann ich meine nonverbale Kommunikation gezielt einsetzen, um andere zu beeinflussen? Fragen, die viele interessieren und deshalb Körpersprache-Seminare, -Fachbücher und -Ratgeber wie Pilze aus dem Boden schießen lassen. Doch Vorsicht: Selbst dort treffen Sie noch auf manch einen der folgenden fünf populären Irrtümer der Körpersprache:

Irrtum 1:
Die 55-38-7-Regel oder Körpersprache schlägt Inhalt

Die Wirkung auf andere wird zu 55 Prozent durch die Körpersprache, zu 38 Prozent durch den Klang der Stimme und gerade einmal zu sieben Prozent durch den Inhalt des Gesagten bestimmt. Egal wie überzeugend und klangvoll Ihnen das jemand vorträgt: Es stimmt so nicht. Zwar können Köpersprache und Stimmführung die Wirkung des Inhalts verstärken oder abschwächen, nahezu überflüssig machen können sie das Gesagte jedoch nicht. Oder, ganz salopp formuliert: Den größten Mist erzählen, dazu aber eine top Figur machen, funktioniert nicht. Mehr dazu, wie dieser Irrtum entstand und wieso er sich so hartnäckig hält, lesen Sie in Wieners Wortblase.

Irrtum 2:
Wer die Arme vor dem Körper verschränkt, hat "dicht gemacht"

Kann sein, muss aber nicht. Es kann genauso gut sein, dass man Ihnen aufmerksam zuhört und die Arme deswegen verschränkt, weil man sie so völlig entspannt ablegen kann. Es sitzt sich einfach bequem, wenn man sonst nicht weiß wohin mit den Armen.

Irrtum 3:
Blick nach links oben bedeutet Lüge, wer nach rechts oben blickt, sagt die Wahrheit

Die sogenannten Augenzugangshinweise (links/rechts jeweils aus der Sicht des Betrachters) stammen aus dem NLP. Demnach bedeutet links oben visuell konstruiert, rechts oben visuell erinnert. Davon abgesehen, dass diese Standardaussage zu den jeweiligen Blickrichtungen nicht auf alle Menschen gleichermaßen übertragbar ist, gibt es einen weiteren kritischen Punkt. Erinnert heißt nicht zwingend, dass es die Wahrheit sein muss. Wer sich eine Unwahrheit bewusst bildlich vorstellt, muss sich später nur noch an diese Vorstellung erinnern, konstruiert ist sie dann bereits. Der Zusammenhang zwischen Wahrheitsgehalt und Blickrichtung konnte bislang noch in keiner Untersuchung nachgewiesen werden.

Irrtum 4:
Wer einen Stift in beiden Händen hält, baut eine Schranke/Barriere vor sich auf

Einen Stift waagerecht kurz oder länger in beiden Händen zu halten bedeutet: Da hält jemand seinen Stift waagerecht in beiden Händen. Es kann sein, dass der jemand einfach mit seinem "Zuhör-Modus" nicht ausgelastet ist und etwas manuelle Beschäftigung nebenbei braucht. Kann auch sein, dass er eben vom passiven Zuhörer zum aktiven Sprecher werden will und ähnlich wie ein Sprinter aus der Hocke in die Start-Stellung geht. Die Aufnahme des Stifts aktiviert ihn zusätzlich. Oder: Die verdeckte Wortmeldung "hier, ich habe dazu auch noch etwas zu sagen." Oder … da gibt es noch jede Menge weiterer möglicher Interpretationen. Vielleicht sollten Sie die kleine Geste mit dem Stift einfach nicht überbewerten.

Irrtum 5:
Wer sich ständig an die Nase greift, der lügt

Ja, es gibt den Pinocchio-Effekt. Emilio Gómez Milán und Elvira Salazar López von der Universität von Granada haben nachgewiesen, dass sich beim Lügen der Blutfluss in der Nasenregion verstärkt, die Nase etwas wärmer wird und sogar zu jucken beginnt. Das kann dann den ständigen unbewussten Griff an die Nase verursachen. Aber Achtung: Der Umkehrschluss ist hier nicht zulässig! Schließlich kann die Nase auch aus anderen Gründen kribbeln. Oder der Griff zum Riechorgan ist einfach eine lästige Angewohnheit, wenn man unter Stress steht.

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