Faule Kompromisse sind wie Braune Soße

Kennen Sie Braune Soße? Nein, ich meine nicht die, die beim Anbraten von Fleisch und Wurzelgemüse entsteht und richtig lecker schmeckt. Ich meine diese Standard-Braune-passt-auf-alles-Soße, die Sie im Tetrapack, in der Dose oder als Instant-Pulver kaufen können. Die, in der manche "Restaurants" alle möglichen Gerichte ertränken.

Das Praktische an dieser Braunen Soße: Sie geht zu allem. Zu Rinderbraten wie zu Bratwurst, zu Frikadellen wie zu Schnitzel. Selbst die für meinen Gaumen zu trockenen Spätzle (die Schwaben unter meinen Bloglesern mögen mir verzeihen) bekommen einen Hauch Frische und werden für mich zumindest genießbar. Das Ganze hat natürlich einen Haken: Am Ende schmeckt alles nach Brauner Soße. Das Gute wird beliebig und das Schlechte (leider auch) nicht besser. Braune Soße eben.

Was das mit faulen Kompromissen zu tun hat? Stellen Sie sich vor, Sie haben eine gute Idee. Eine richtig gute. Leider können Sie die nicht allein umsetzen und müssen sie irgendwo präsentieren, Entscheider und Betroffene mit ins Boot holen. Nicht jeder schreit auf Anhieb "Hurra" und ist so begeistert wie Sie. Das hatten Sie sich irgendwie anders vorgestellt. Weil Sie weiterkommen wollen, machen Sie die ersten Kompromisse und feilen an Ihrer Idee. Immer weiter. Bis alle anstößigen Ecken und Kanten verschwunden sind. Endlich der entscheidende Satz: "Ich glaube, mit dieser Variante können wir jetzt alle leben." Stummes Nicken, kein Widerspruch …

Vor mehr als zehn Jahren hatte ich die Möglichkeit, ein Seminar bei einem Kommunikationsprofi zu besuchen, der heute CEO einer international bekannten Kommunikationsagentur ist. Drei Sätze von ihm wirken immer noch nach:
"Gute Ideen polarisieren immer. Wenn Sie eine Idee haben, mit der alle leben können, ist das nur noch graue Masse, Mittelmaß. Werfen Sie sie in den Papierkorb."
Es kann sich lohnen, standhaft zu bleiben, wenn einem der Wind ins Gesicht weht.

Denn faule Kompromisse sind wie Braune Soße: Am Ende schmeckt alles gleich.


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