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Was willst Du: Feedback oder Komplimente?

Manchmal liegt einem die Frage tatsächlich auf der Zunge. Was willst du eigentlich: Feedback oder Komplimente? Martina Bloch ging es vielleicht so in der Situation, die sie im Beitrag "Deine Schwestern finden das Kleid aber sehr schön!" beschreibt. Ich hatte in meinem Kommentar einen Blogbeitrag dazu versprochen, bin den jedoch schuldig geblieben. Bis heute.

"Fährtgut" fährt gut!
Nehmen wir an, Sie kaufen sich ein neues Auto. Sie haben sich, nach langem hin und her, für das Topmodell der Marke "Fährtgut" entschieden. Einfach Ihr Traumauto. Sie fahren vom Hof des Autohauses und sind stolz wie Oskar. "Tolles Auto", denken Sie sich, "die richtige Entscheidung." Die meisten ihrer Bekannten sehen das ähnlich. Bis auf Müller*: "Ich hab ja gehört, die sollen ziemliche Spritfresser sein. Passt auch irgendwie nicht so zu Dir, der Wagen." Sie antworten etwas pikiert: "Also die anderen finden den klasse. Und der Spritverbrauch liegt im normalen Bereich." "Fährtgut" fährt gut. Punkt.

Bitte nicht zweifeln
Was ist passiert? Sie haben eine Entscheidung getroffen, die Sie einiges an Geld gekostet hat und mit der Sie nun ein paar Jahre leben müssen. Das letzte, was Sie brauchen, sind Zweifel. Damit die gar nicht erst aufkommen, bewerten Sie die vorliegenden Informationen. Die bestätigenden höher, die anderen niedriger, völlig subjektiv. Vielleicht huscht Ihnen auch ein "von Autos hatte der Müller ja noch nie wirklich Ahnung" durch den Kopf.

Konsonanz vs. Dissonanz
Was ich hier hoffentlich alltagstauglich beschreibe, ist die Vermeidung einer kognitiven Dissonanz. Ein Begriff, den der amerikanische Sozialpsychologe Leon Festinger prägte. Kognitive Dissonanz entsteht, wenn wir widersprüchliche bzw. miteinander unvereinbare Kognitionen (Erkenntnisse) wahrnehmen, die zu unangenehmen emotionalen Spannungen in uns führen. Zur Vermeidung von kognitiven Dissonanzen (und Herstellung einer kognitiven Konsonanz) greifen wir auf verschiedene Strategien zurück. Dazu zählen auch die beschriebene Ab-/Aufwertung von Informationen oder der Informationsquelle und die stark selektive Informationsbeschaffung (etwa durch die gezielte Suche nach positiven Testergebnissen).

Feedback oder Komplimente?

Ob jemand Feedback oder Komplimente will, hängt ebenfalls stark von der eigenen Wahrnehmung ab. Und davon, ob das, was er bekommt, eine Dissonanz erzeugt oder erzeugen könnte.

Ein anderes Beispiel:

Ein Bekannter muss ein Referat halten und sagt Ihnen vorab, dass er im Anschluss gern ein Feedback von Ihnen hätte. In seiner Wahrnehmung geht er offensichtlich davon aus, das er sich noch verbessern kann. Mit Tipps zur Verbesserung rennen Sie sprichwörtlich offene Türen ein, weil diese keine kognitive Dissonanz erzeugen.

Identischer Anlass, andere Situation. Der Bekannte lädt Sie zu seinem tollen Vortrag ein, bei dem er "die Massen begeistern wird". Nach dem Vortrag kommt er zu Ihnen und fragt selbstbewusst: "Na, wie war ich?!" Also wenn Sie jetzt mal erleben wollen, was kognitive Dissonanz ist …

Oft erkennen Sie schon an der Situation, an der Fragestellung, ob Ihr Gegenüber tatsächlich Feedback will oder doch nur nach Komplimenten fischt. Falls nicht, kann eine geschickte Gegenfrage helfen. Oder Sie nehmen einfach in Kauf, ins sprichwörtliche Fettnäpfchen zu treten.

Nun freue ich mich auf Ihr Feedback.

Und natürlich auf Komplimente. ;-)

*) Den Namen habe ich rein zufällig ausgewählt. Könnte auch Meier, Schulze oder Stein sein.



Foto: clipdealer.de

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