Montag, 13. Januar 2014

Warum auch Ziele ihre Tücken haben

Foto: clipdealer.de
Ein paar Kilo abnehmen, regelmäßig Sport, weniger Süßes, kontinuierliche Akquise, mehr Rücksicht ‒ Ziele und gute Vorsätze wohin ich schaue. Kaum ein Lebensbereich bleibt davon verschont. Und es gibt jede Menge Anleitungen, Tipps und Tools, die bei der Zielerreichung helfen sollen. Die Handy-App warnt vor zu wenig Bewegung, die Umsatzplanung fordert mehr Akquise und die Collage an der Wand führt uns das begehrte Ziel wieder und wieder vor Augen. Same procedure as last year? Same procedure as every year! Doch Vorsicht: So sinnvoll konkrete Ziele sind, sie haben ihre Tücken!

Zielen macht blind!

Ja, Sie haben richtig gelesen. Ein Ziel zu fokussieren hat einen Nebeneffekt: Alles andere wird unscharf, teilweise nicht mehr wahrnehmbar. Im Moment des Zielens an der Schießbude auf dem Jahrmarkt sehen Sie erst Kimme und Korn, dann das Ziel klar und scharf. Alles andere verschwimmt zu einem bunten Einerlei. Eine (zu) starke Fokussierung macht blind für die Umwelt, mitunter selbst für die unmittelbare.

Foto: H. Stein
Ein Fotograf nutzt diesen Effekt, indem er mit einer geringen Schärfentiefe unwesentliche Bildbestandteile unscharf werden lässt, z. B. bei Porträts oder in der Makrofotografie. Kampfsportler kennen den Effekt und fokussieren bewusst ein Stück hinter den Gegner, schauen "durch ihn hindurch". So behalten sie auch Bewegungen des Kopfes, der Schultern,  Hände und Füße im Auge.

Und Sie? Schauen Sie immer ein Stück über das Ziel hinaus und blicken Sie sich hin und wieder mal um! Dann behalten Sie auch das "Danach" und Ihre Umwelt im Blick.

Wenn's am schönsten ist …

Im Buch "Schnelles Denken, langsames Denken" von Daniel Kahneman fand ich ein schönes Beispiel  für eine weitere Tücke: Angenommen, Sie wären Taxifahrer. Um am Jahresende ein ausreichendes Einkommen zu haben, brauchen Sie einen bestimmten Jahresumsatz. Den unterteilen Sie in überschaubare Häppchen und chauffieren ab sofort mit einem klaren Tagesziel. Aber nicht jeder Tag ist wie der andere. An manchen haben Sie viele Fahrgäste (vielleicht weil es wie aus Eimern gießt), an anderen wiederum gehen die Leute bei schönem Wetter lieber zu Fuß.

Genau hier schlägt die Tücke der Verlustaversion zu: Ein drohender Verlust wird unbewusst stärker gewichtet als ein möglicher Gewinn. Sie werden vermutlich an Tagen mit wenig Kundschaft verbissen Überstunden machen und auf Fahrgäste warten, weil das Tagesziel noch nicht erreicht ist. Und an Tagen mit vielen Fahrgästen machen Sie Feierabend, wenn Sie das Tagesziel erreicht haben. Dabei wäre es doch andersrum sinnvoller, oder?

Nun sind Sie möglicherweise kein Taxifahrer. Aber vielleicht sind Sie Verkäufer und haben Umsatzziele. Oder wollen Sie alle zwei Tage drei Kilometer joggen, täglich 60 Minuten in das Erlernen einer neuen Fremdsprache investieren? Das kann mal besser oder weniger gut klappen, Ihnen leichter oder nicht so leicht gelingen. Quälen Sie sich nicht über Gebühr, sollte es mal nicht so gut klappen. Nutzen Sie Sie lieber die Chance, etwas draufzulegen, wenn Sie grad so richtig mit Spaß und Erfolg bei der Sache sind.

Wenn's am schönsten ist, soll man nämlich weitermachen. 
Denn: Nichts macht erfolgreicher als Erfolg.


1 Kommentar:

  1. Lieber Heiko,

    ich stimme Deinen Ausführungen nicht zu!
    Als erstes: wir einigen uns und meinen wirklich Ziele, nicht Wünsche (denn viele Vorsätze zeigen sich ja eher als Wunsch und nicht als konkretes Ziel).
    Also Ziel.

    Bleiben wir doch beim Beispiel Taxifahrer: Mit einem ganz konkreten Ziel vor Augen wird er eben nicht verbissen Überstunden machen, um sein tägliches (ausgerechnetes) Umsatzziel zu erreichen - sondern er wird sich überlegen, auf welche Art und Weise er vielleicht noch zusätzlich Fahrten erhalten kann (Krankenfahrten etc...), er wird die Augen offen halten und Chancen ergreifen, die ihn in diese Richtung bringen, er wird gedanklich die verschiedensten Dinge durchspielen und ausprobieren, wird mit anderen über seine Ziele sprechen und alle Hebel in Bewegung setzen, alle Register zeihen, um sein Ziel zu erreichen -
    sofern er das wirklich will!

    Das ist auch der Grund, warum es wenig Sinn macht, viele Vorsätze zu haben, denn in die Umsetzung eines Ziels geht sehr viel Energie.

    Liebe Grüße
    Ulla

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