Ein unmoralisches Angebot

Foto: clipdealer.de
Mails mit dem Inhalt "Sehr geehrte Damen und Herren, ich finde Ihren Blog toll und könnte mir gut vorstellen, einen Gastbeitrag zu einem passenden Thema bei Ihnen zu veröffentlichen" kommen häufiger. Da diese Angebote allgemein gehalten sind und nach dem Gießkannenprinzip an Blogbetreiber gesendet werden, habe ich eine andere Vorstellung. Folgerichtig nehmen solche Anfragen den direkten Weg in den virtuellen Papierkorb.

Aber diese eine Mail vor ein paar Wochen war anders: persönliche Ansprache, konkreter Bezug zu bestimmten Beiträgen, detaillierter Absender mit allem drum und dran. Eine Mail, wie es sich im Geschäftsverkehr gehört. Ob ich Interesse an einem Gastbeitrag hätte: thematisch passend, kein reiner Werbeartikel, mit Informationen und Nutzen für meine Leser. Der Absender der Mail: Eine Agentur, die sich mit (Anmerkung: einer zumindest umstrittenen Variante von) SEO beschäftige und schon einige bekannte Marken (die Namen spare ich mir hier, aber es waren wirklich bekannte Marken) betreue. Neben dem Nutzen für meine Leser wäre für mich eine einmalige Aufwandsentschädigung drin.

Ich habe ein wenig recherchiert und fand den Absender tatsächlich auf diversen Websites: als Gastautor des angebotenen Themas, aber auch als ausgewiesenen Experten in völlig anderen Themenbereichen, gesunde Ernährung etwa. Jeder Beitrag am Ende mit einer kurzen Produktvorstellung und Link zur entsprechenden Website. Keiner der Beiträge war irgendwie als Werbung gekennzeichnet. Für mich hatte das Ganze ein "Gschmäckle".

Natürlich ist das mein Blog. Natürlich schreibe ich über Dinge, mit denen ich außerhalb meines Blogs Geld verdiene. Natürlich nehme ich deswegen nicht in Anspruch, immer zu 100 Prozent objektiv und unabhängig zu sein. Natürlich steckt hinter all dem ein gewisses (eigen-)werbliches Interesse.

Das heißt aber natürlich nicht, dass ich meine Leser und Kunden verschachere.

Was ich hier schreibe, schreibe ich nach bestem Wissen und Gewissen. Wenn ich jemanden oder etwas erwähne, empfehle oder verlinke, dann weil ich davon überzeugt bin, er, sie oder es passt oder einen Nutzen für die Leser hat. Wenn ich für andere einen Gastbeitrag schreibe, dann weil ich darum gebeten wurde und ich inhaltlich etwas beizutragen habe. Ich tue dies nicht, weil ich dafür eine Gegenleistung bekäme oder geben würde. Keine versteckte Werbung, keine Inhalte gegen Geld oder eine andere Gegenleistung.

Dem Absender der Mail schrieb ich freundlich zurück, dass ich an seinem Angebot kein Interesse habe. Und hatte es auch fast vergessen. Bis t3n.de letzte Woche warnte: Vorsicht, Linknetzwerk! Google bestraft deutsche SEO-Agentur und ihre Kunden.

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