Dienstag, 5. August 2014

Echte Wölfe sind selten: Von Schafen im Wolfspelz

Echte Wölfe sind selten. Und sie mögen es sicher nicht, wenn man viel Aufhebens um sie macht. Sie selbst tun es gleich gar nicht. Im Gegenteil: Sie sind eher scheu. Mit echten Experten und Spezialisten ist das ähnlich. Bei jeder passenden (und unpassenden) Gelegenheit darauf aufmerksam machen, dass sie Spezialist oder Experte für ein bestimmtes Thema sind? Haben sie nicht nötig. Denn ihr Expertentitel wurde ihnen sozusagen von ihrem Umfeld verliehen und ist allgemein akzeptiert: aufgrund von Erfahrung und Wissen, das sie sich in einem bestimmten Fachgebiet angeeignet haben.

Besonders unter den Einzelunternehmern und Freiberuflern entstand in den letzten Jahren eine völlig neue Spezies. Der Drang einer immer spitzeren Positionierung im Markt (ver-)führte manchen, den klassischen Weg umzukehren und sich kurzerhand selbst auf den Sockel des Spezialisten- und Expertentums zu heben. Damit der schöne Marketing-Schein gewahrt bleibt, sind die Sach- und Fachgebiete mitunter außergewöhnlich bis exotisch. Auf jeden Fall aber sind sie mit gängigen Aus- und Weiterbildungen oder einschlägiger Berufserfahrung nicht zu greifen. So trifft das Hinterfragen der Spezialisierung oft auf die Präsentation bedeutungsvoller Worthülsen. Macht aber nichts, denn dem selbst ernannten Experten es geht schließlich nur um drei Dinge:
1. Auffallen.
2. Auffallen.
3. Auffallen.
"Seht her, ich bin ein Wolf. Folgt mir!", ruft er laut. Aber, wie gesagt: Echte Wölfe sind selten. Und es lohnt, das eine oder andere Mal etwas genauer hinzuschauen. Dann kann es passieren, das einsame Leittier entpuppt sich doch nur als Schaf im Wolfspelz … ;-)

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