Montag, 22. September 2014

Die Kunst, Ihr Gegenüber wie einen Depp dastehen zu lassen


Manche glauben, es sei ein rhetorisches Kunststück, seinen Gesprächspartner wie einen Depp dastehen zu lassen. Nein, dazu braucht man niemanden bloßzustellen, keine Diffamierungen und keine sprachlichen Winkelzüge. Eine einfache, unterschwellige und vor allem wirksame Variante beherrschen wir fast alle aus dem Effeff. Selbst Verkaufs- und Reklamationsgespräche bleiben davon nicht verschont:
  • "Ich erkläre Ihnen das gern noch einmal …"
  • "Wie ich Ihnen bereits mitteilte, …"
  • "Sie müssten eigentlich wissen, dass …"
  • "Es ist allgemein bekannt, dass …"
Fällt Ihnen etwas auf? An alle Formulierungen können Sie bequem ein "Sie Depp" dranhängen:
  • "Ich erkläre Ihnen das gern noch einmal, [Sie Depp, vielleicht begreifen Sie es ja dann] …"
  • "Wie ich Ihnen bereits mitteilte, [Sie Depp, haben Sie nicht richtig zugehört] …"
  • "Sie müssten eigentlich wissen, [Sie Depp haben aber auch gar keinen Schimmer], dass …"
  • "Es ist allgemein bekannt, [außer Ihnen natürlich, Sie Depp] dass …"
Und genau so kommt sich der Empfänger solch einer Botschaft dann auch vor: Wie ein Depp. Als Sender muss man sich nicht wundern, wenn die Kommunikation an dieser Stelle ins Stocken oder außer Kontrolle gerät. Problematisch ist die Situation, weil der Sender dieser Formulierungen meist nicht bewusst nutzt. Sie resultieren aus einer gefühlten Überlegenheit, einer Einstellung dem Empfänger gegenüber, die der prompt zu spüren bekommt.

Sie können sich trotzdem dafür sensibilisieren, indem Sie Formulierungen mit der "Du Depp"- Methode prüfen. In der gesprochen Kommunikation wie in der geschriebenen, unter vier Augen wie öffentlich in sozialen Netzwerken. Sie werden erstaunt sein, wie oft Sie solche Botschaften finden. Bei sich selbst und bei anderen.

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