Dienstag, 28. Oktober 2014

Kommunikationsexpertin Isabel García: "Zeigen Sie ehrliches Interesse"


"100 Prozent Verkaufen" ist weder Podcast noch Hangout, sondern ein ganz normales Interview. Heute spricht Kommunikationsexpertin Isabel García unter anderem über spanisches Temperament und deutsche Kompetenz, über unperfekte Verkäufer, wie Frauen es schaffen, dass man ihnen die Tür aufhält und warum ehrliches Interesse so wichtig ist.

Isabel García
Wer mit dem Thema Rhetorik in Deutschland etwas zu tun hat oder seine Redekompetenz weiterentwickeln will, kommt an Ihnen, Frau García, kaum vorbei. Auf Ihrer Internetseite führen Sie fünf Gründe auf, warum man sich gerade für Sie entscheiden sollte. Einer davon: Man hole sich mit Ihnen spanisches Temperament und deutsche Kompetenz auf die Bühne. Unter spanischem Temperament kann sich sicher jeder etwas vorstellen. Aber was verstehen Sie unter deutscher Kompetenz?

Isabel García: Wir verbinden ja häufig mit den Spaniern, oder überhaupt mit den südeuropäischen Ländern, dass sie sehr entspannt an alles heran gehen. Wenn sie von etwas laienhaft überzeugt sind, dann geben sie dieses "Wissen" einfach weiter. Und gerade das wollen die deutschen Zuhörer bei einem Experten nicht sehen. Es gibt auch bei deutschen Experten sicherlich einige, die mal etwas gehört und nicht gut recherchiert haben. Manchmal wird nicht hinterfragt, ob das eigentlich stimmt, was man da behauptet.
Es geht so schnell, dass sich Gerüchte oder Meinungen verbreiten, einfach weil die Geschichte gut ist. Denken Sie an Mehrabian aus den USA, der eine große Studie gemacht hat und häufig nur teilweise zitiert wird. Ein ganz kleiner Teil aus seiner umfangreichen Studie wird herausgenommen und dann gesagt: Sieben Prozent überzeugen wir nur über den Inhalt, 55 Prozent über die Körpersprache und den Kleidungsstil und 38 Prozent über die Stimme.

Das heißt: Eigentlich könnten wir uns den Inhalt sparen?

Richtig. Wenn man das glauben würde. Aber das kam bei der Studie ja überhaupt nicht heraus. Wenn man das so glauben würde, klingt das natürlich gut: Dann haben alle, die irgendetwas mit Kommunikation und Rhetorik zu tun haben, sofort eine Daseinsberechtigung: "Du bist eine Nullnummer. Was du im Gehirn hast, ist nichts wert. Das macht grad sieben Prozent aus. Ich zeig dir mal, wie du die sieben Prozent so richtig an den Start kriegst!" Mit Körpersprache, mit Stimme …

Und so stimmt das eben nicht. Klar, es ist eine nette Geschichte.

Aber es ist unglaublich, wie sich das verbreitet hat. Und mit deutscher Kompetenz meine ich eben, solchen Dingen auf den Grund zu gehen. Ich recherchiere gerade für mein neues Hörbuch "Ich REDE. mit einer Frau" und ich möchte den Männern da wirklich solides neurowissenschaftliches Hintergrundwissen geben. Ich telefoniere dafür mit Gerald Hüther, ich hab mit Manfred Spitzer Kontakt gehabt. Ich habe auch zu anderen bekannten Wissenschaftlern, von denen ich viel halte, Kontakt aufgenommen, deren Bücher gelesen. Henning Beck, ein junger Neurobiologe, war ebenfalls darunter. Ich recherchiere einfach sehr gründlich.
"Da mag zwar manches wie ein Hausfrauentipp rüberkommen und so klingen, es steckt aber eine sehr solide Basis dahinter."
Und wenn ich am Anfang meiner Karriere mal etwas erzählt habe, zu dem ich nicht mehr stehe, dann stehe ich dazu und sage auf der Bühne: Ich bin auch drauf reingefallen bzw. ich habe damals nicht gut genug recherchiert und habe es leichtfertig verbreitet. Das ist meine Verantwortung. Mittlerweile bin ich sehr gut im Recherchieren.

Die Zuhörer und Kunden bekommen also mein spanisches Temperament und meine fröhliche Art, aber das, was ich da locker und luftig rüberbringe, ist gut recherchiert. Da mag zwar manches wie ein Hausfrauentipp rüberkommen und so klingen, es steckt aber eine sehr solide Basis dahinter.

Spanisches Temperament und deutsche Kompetenz sind zwei wichtige Eigenschaften, die Sie haben. Jetzt sagen Sie gleichzeitig, und das ist quasi Ihr Slogan, Ihre Art mit den Menschen umzugehen, die zu Ihnen kommen: Gut reden kann jeder. Das geben Sie den Menschen mit auf den Weg. Kann wirklich jeder gut reden?

Ja. Davon bin ich fest überzeugt!

 … nur nicht in jeder Situation …

Das ist eben genau diese Diskrepanz. Ich glaube, dass wir ganz häufig sehr gut reden können. Ein kleines Kind schlägt automatische die Augen auf und macht besonders große Kulleraugen, wenn es von Mama und Papa etwas haben will. Das ist doch gut kommuniziert?!

Ja, sicher …

… und die Frau, die irgendwie keine Lust hat, sich selbst die Türen aufzuhalten, zieht sich hübsche Klamotten an und High Heels, dazu ein bisschen Schulterblick – das ist doch mit Blick auf die Körpersprache gut kommuniziert. Da werden die Herren um sie herum ihr schon die Tür aufhalten.

Wir kommunizieren häufig mit Kindern gut. Wir finden irgendwann heraus, dass das Kind eben nicht ins Bett geht, wenn wir "Geh ins Bett?"sagen und die Ansage wie eine Frage betonen. Also sagen wir "Geh ins Bett!". Wir sprechen auf Punkt. Und dann klappt es eher. Die Problematik ist häufig, dass wir nicht wissen, was wir da richtig gemacht haben. Wir analysieren das gar nicht, weil uns das passende Hintergrundwissen fehlt oder weil wir es einfach nicht so bewusst wahrnehmen.
"Viele von diesen alten Weisheiten stimmen. Wir setzen sie nur nicht um."
Und weil wir nicht bewusst wahrgenommen haben, was wir da toll gemacht haben, setzen wir dieses "auf-Punkt-Sprechen" eben nicht beim Ehemann um, wenn wir ihn überreden wollen, dass Urlaub in Deutschland schöner ist als auf Malle. Oder wir setzen es eben nicht beim Chef um. Wir setzen es nicht beim Kunden um, wenn wir eine Kundenpräsentation halten. Wir sprechen dann nicht auf Punkt. Wir sprechen nicht so überzeugend, obwohl wir das beim Kind wunderbar hinbekommen haben. Das bedeutet: Ja, wir können alle gut reden, in gewissen Teilbereichen, häufig unbewusst.

Seien wir mal ganz ehrlich: Was ich da auf der Bühne erzähle, ist Wissen von vor 500 Jahren, wenn nicht sogar noch älter. Da ist kaum etwas Neues dabei. Es ist völlig egal, in welche Branche Sie reingehen, überall stellen die Leute fest: Das alte Wissen ist schon klasse gewesen und steht teilweise sogar schon in der Bibel drin. Und die ist bekanntlich sogar noch älter als 500 Jahre …

Viele von diesen alten Weisheiten stimmen. Wir setzen sie nur nicht um. Heutzutage sind die Leute so scharf auf Neues. Aber der neue Trend geht zurück zum Alten. Natürlich modifiziert, natürlich angepasst. Aber wenn ich sage "Machen Sie mal eine Sprechpause", dann ist das doch keine Weltneuheit. Da kriege ich doch nicht sofort fünf Seiten in der Welt am Sonntag, nach dem Motto "Boahh: Die Pause – größter kommunikatorischer Trick. Das ist der Rhetorik-Tipp des Jahrtausends". Nein, das haben wir alles schon gewusst. Wenn ich von der Betonung spreche, ist das auch keine Weltneuheit, ebenso wenig bei der Stimme und der Körpersprache …

Manchmal ändert sich die Mode, manchmal ändert sich die Gesellschaft ein bisschen – aber das ist ja nichts Neues. Was ich mache, ist hoffentlich der hundertste Tropfen, der dafür sorgt, dass diese Lerneinheit endlich hängen bleibt.
"Das klingt zwar super einfach, ist es aber nicht. Denn es geht wirklich darum, an sich zu arbeiten."
Je häufiger wir etwas hören, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir anfangen es umzusetzen. Häufig verstehen wir zwar den Sinnzusammenhang, zum Beispiel schnallen wir beim Kind: auf Punkt sprechen ist toll. Wir kriegen es aber nicht bewusst in die anderen Bereiche. Deswegen bin ich als Übersetzerin da und sage: Sie sind toll, so wie Sie sind, ganz großartig. Und jetzt schauen wir mal, was Sie schon toll können und das übertragen wir in die Situationen, wo Sie sich noch nicht wohlfühlen. Nehmen Sie die Stärken, die Sie eh schon haben, in schwierige Situationen mit rein. Oder in Situationen, die Sie als schwierig empfinden, aber die es gar nicht sind, wenn Sie sich Ihrer Stärken bewusst werden.

Das klingt zwar super einfach, ist es aber nicht. Denn es geht wirklich darum, an sich zu arbeiten.

Nach einem Vortrag ist es ganz spannend, wenn ich sage: Bleiben Sie so, wie Sie sind. Ich sage es ja anders. Ich sage: "Nehmen Sie sich selbst bewusst wahr." Dann kommen die Herren häufig auf mich zu und sagen: "Frau García, super, ich habe vom Vortrag mitgenommen: ich muss mich nicht ändern. Ich bin toll, so wie ich bin." Und dann kommen die Frauen und sagen: "Oh, Frau García, das ist aber jetzt 'ne Menge Arbeit, die auf mich zukommt. Da muss ich erstmal gucken, wer ich überhaupt bin …".

Und jetzt nehmen Sie davon die Mitte. Es ist weder der Weltuntergang und "ich muss jetzt jeden Tag an mir ackern", noch meine ich damit: "ich bleib exakt so wie ich bin". Wählen Sie etwas dazwischen. Genau das ist die Herausforderung: Was wir unbewusst können, bewusst wahrzunehmen, um es reproduzieren zu können.

Welche Bedeutung hat denn Stimme, Rhetorik, Reden aus Ihrer Sicht im Bereich Verkaufen. Es sind ja oft Verkäufer, die Rhetoriktrainings besuchen. Sie feilen an ihrer Aussprache, an den Inhalten, an der Körpersprache … Ist das der richtige Weg?

Nö. Ist aber nur meine Meinung.

Was wäre ein besserer?

Ich würde sagen: Konzentrieren Sie sich auf Ihre Emotionen.

Was heißt das?

Konzentrieren Sie sich auf Ihren Kopf, auf Ihre Mentalhygiene. Ich hatte zum Beispiel mal einen Verkäufer für eine Telefonanlage in meinem Büro. Das ist schon Jahre her. Der hat ganz häufig "äh" gesagt, der kam nicht auf den Punkt, hatte eine ganz hohe Stimme, war verschwitzt und wenn er sich hingehockt hat, sah ich seinen halben Po …

Aber wenn er mir in die Augen geschaut hat, hab ich gemerkt: Der hat wirklich Interesse an mir. Und ich merkte an der Art, wie er mich beriet, dass er sich wirklich darum kümmerte, es für mich so optimal wie möglich zu machen und für mich die beste Lösung zu finden. Auch wenn er die dann nicht optimal präsentierte. Das ist mir allemal lieber, als dass der noch zigmal in einen Kurs geht und lernt, wie er sich "vernünftig" anzieht, die Schweißausbrüche unterdrücken kann, wie er besser atmet, wie er ruhiger kuckt, wie er weniger "äh" sagt und so weiter.

Das interessiert mich nicht. Ich möchte einen Menschen vor mir haben und ich möchte jemanden haben, der ehrliches Interesse an mir hat. Und das ist etwas, das in der Aussage "Gut reden kann jeder" drinsteckt: Wenn wir ehrliches Interesse an jemandem haben, dann machen wir ganz viel richtig. Und zwar unbewusst. Dann brauchen wir uns darüber keine Gedanken machen. Sie brauchen sich nicht überlegen: wo gucke ich hin, was mache ich, wo tue ich meine Hände und meine Arme hin – wenn Sie ehrliches Interesse haben. Nicht vorgegaukelt, sondern ehrlich. Und das ist die Herausforderung für einen Verkäufer. Denn er hat nicht immer ehrliches Interesse. Seien wir mal ehrlich: Der denkt häufig schon an den Feierabend, an die Gewinnspanne …
"Ich möchte einen Menschen vor mir haben und ich möchte jemanden haben, der ehrliches Interesse an mir hat."
Der sieht die Oma und denkt: Super, da ist was drin. Er denkt oft nicht: Was ist das Beste für sie? Dass sie erstmal nichts kauft? Dass ich sie zu Konkurrenz schicke, weil sie dort besser aufgehoben ist? Dass sie das teuerste oder das billigste kauft? Was will diese Großmutti haben?

Ehrliches Interesse. Und dann, finde ich, spielt der Rest nicht so eine große Rolle. Dieses Statusgehabe und dieses perfekte Auftreten führt eher dazu, dass die Leute einen Schritt zurücktreten, weil sie glauben: Der redet so gut, der kann mir alles Mögliche verkaufen.
Aber dieser Telefonverkäufer wollte mir nicht alles Mögliche verkaufen. Das hätte er gar nicht gekonnt. Rein subjektiv für mich eine ehrliche Haut.

Jetzt kann ich mir aber gut vorstellen, dass Kunden zu Ihnen kommen, die genau das haben wollen, von dem Sie sagen, dass es nicht die Lösung ist …

… ja, dann schicke ich die wieder weg.

Wie enttäuscht sind die dann?

Wegschicken in Anführungsstrichen. Ich berate sie und empfehle ihnen andere Coaches. Ich sage: "Ich glaube, ich bin nicht die Richtige für Sie. Sie möchten vielleicht jemanden haben, der Ihnen Regeln an die Hand gibt und das bin ich nicht. Ich kann Ihnen verraten, wie mein Weg ist. Und wenn Sie sich darauf einlassen möchten, dann gehen wir diesen Weg gemeinsam."

Wenn derjenige jetzt aber genau diese Regeln will – und das ist völlig in Ordnung – dann ist er bei jemand anderen besser aufgehoben. Der sagt ihm dann:  Stell dich so hin, mach deine Füße genau so, halt die Finger so, nimm die Fernbedienung vom Beamer so in die Hand und mach das, das, das. Wenn er damit glücklich ist und sich damit sicher fühlt, weil er diese Regeln abarbeiten kann, dann ist er da super aufgehoben. Dann würde ich ihm einen anderen Trainer empfehlen. Wobei mir das, glaube ich, erst zweimal passiert ist. An ein Mal kann ich mich gut erinnern. Da kam der Vorstandsvorsitzende zu mir und meinte: "Wir haben hier jemanden neu im Vorstand und der sticht noch so raus." Und da sagte ich: "Ja, und das ist super, dass er raussticht."

Aber wir hätten den gerne glatt gebügelt.

Richtig. Und genau diesen Job übernehme ich nicht. Das ist natürlich eine Herausforderung, so einen Auftrag abzulehnen. Immerhin war es ein großes Unternehmen, das mich da holen wollte, wo ich viel Geld hätte verdienen können, und ich sagte einfach: "Nein, ich finde ihn toll, so wie er ist. Ich finde es klasse, dass er raussticht. Bewahren Sie sich das." Aber es kann gut sein, dass die das trotzdem haben wollen. Und dann holen die logischerweise jemand anderen. Und das ist völlig in Ordnung.

Sie haben eine Wissens-Impro-Show – für die man keine Karten kaufen kann.

Noch nicht. Das ändert sich im nächsten Jahr.

Ich kann mir vorstellen, für diese Show hätten die Leute gern etwas bezahlt. Die Mitschnitte, die ich im Internet gesehen habe, waren überzeugend, unterhaltend, informativ. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Besucher für eine tolle Show mit Isabel García kein Geld ausgeben würden. Warum haben Sie bisher auf diese Einnahmen verzichtet und die Karten ausschließlich verlost?

Das hat verschiedene Gründe. Am Anfang wollte ich mich einfach ausprobieren und zwar komplett ohne Druck. Wenn die Leute Eintrittsgelder bezahlt hätten, hätte ich natürlich einen gewissen Druck verspürt. Mehr Druck, als ich sowieso schon habe. Denn selbst wenn sie keinen Eintritt bezahlen, haben sie mir Zeit geschenkt. Das ist ja fast wertvoller, als wenn sie 30 oder 40 Euro hinlegen. Aber ein bisschen von dem Druck habe ich mir genommen, indem ich mir die Freiheit genommen habe, noch unperfekt sein zu dürfen in dieser Show. Ich wollte dieser Show, die ich jetzt viermal gemacht habe, Zeit geben, um sich zu entwickeln. Ich wollte mir diese Zeit geben, die Show immer wieder zu optimieren, während ich sie mache. Ich wollte mich in Ruhe ausprobieren.
"Ich möchte gerne eine Show schaffen, die einmalig ist: So, wie sie an einem Abend abläuft, wird es sie nie wieder geben."
Der zweite Aspekt: Ich habe überlegt, wie das so ist, wenn ich etwas kreiere, was sich die Leute nicht kaufen können. Wir sind es so gewohnt, uns fast alles kaufen zu können. Aber manche Sachen eben nicht. Und diese Show gehörte dazu. Man konnte keine Karten kaufen. Es sollte eine kleine Sogwirkung entwickeln. Ich wollte einfach mal etwas anders machen. Drehteam, Raum, Getränke - das kostet ja alles und ich habe ordentlich Geld reingesteckt. Ich werde das nicht ewig so weitermachen. Aber ich könnte mir vorstellen, dass ich das ab und an so beibehalte. Wenn ich eine ganz spezielle Veranstaltung mache, eine Weihnachtsshow zum Beispiel. Aber das weiß ich noch nicht. Ich bin noch am Überlegen, wie es weitergeht.

Weitere Gründe: Ich schenke gerne. Und natürlich ist es auch eine Werbeplattform für meine "Ich REDE. Akademie". Ich hab mir überlegt, ob und wie ich da Werbung für meine Online-Plattform platzieren kann. Am Ende hat sich gezeigt, dass hauptsächlich Isabel García-Fans kamen. Die kannten die Akademie schon. Also die Werbeplattform konnte ich schon mal knicken. Aber das sind alles Erfahrungen, die ich dann eben gemacht habe, Sachen, die ich ausprobiert habe.

Im Dezember werde ich mich mit dem Team zusammensetzen und wir werden besprechen, wie wir weitermachen. Es wird in Zukunft wahrscheinlich ohne Drehteam ablaufen. Wir werden die Kosten reduzieren, damit ich die Karten günstig anbieten kann. Und wahrscheinlich will ich auch einen größeren Saal, denn bisher war es immer eine kleine Runde, mit maximal 70 Leute, sehr intim. Ich möchte es mal in einem größeren Saal ausprobieren. Wenn ich merke, dass gerade das Intime das Charmante war, werde ich wieder in einen kleineren Saal gehen.

Ich möchte gerne eine Show schaffen, die einmalig ist: So, wie sie an einem Abend abläuft, wird es sie nie wieder geben. Ich werde mich also weiterhin ausprobieren.

Jetzt haben Sie gerade Ihre Akademie angesprochen: Ich habe gesehen, da gibt es Videos, aber auch die Möglichkeit für Präsenztage. Vermutlich wird es für die Teilnehmer überwiegend über selbstständiges Lernen funktionieren. Wie muss ich mir den Lernprozess vorstellen?

Wissen Sie, wie Sie ja schon von mir gehört haben: Ich werde ganz viele Regeln aufstellen und die müssen gefälligst eingehalten werden. Ganz einfach.

Nein, natürlich nicht.

Was mache ich da: Das war für mich tatsächlich eine Herausforderung. Ich habe sehr, sehr lange an den Inhalten gesessen, damit ich das Ganze systematisch aufbauen kann. Ich wollte gerne über die Zeit, über die Strecke gehen. Es fragen mich immer wieder viele: "Kann man das auch als DVD-Box kaufen?" Ja, aber dann ist der Lerneffekt nicht so groß. Der hauptsächliche Lerneffekt ist, dass die Personen, die sich anmelden, ein halbes Jahr lang jeden Werktag von mir eine E-Mail bekommen. Manche schauen sich das auf dem Smartphone an oder auf dem Tablet, manche im Büro oder zuhause. Teilweise lesen sie sich was durch, teilweise bekommen sie ein Video oder auch eine Audiodatei.

Und da gebe ich Anregungen, immer als eine Art bunter Strauß. Ich sage: Die und die Regeln gibt es - schauen Sie mal, ob Ihnen davon eine gefällt. Zum Beispiel bei der Körpersprache. Dann erkläre ich, was ich noch spannend finde an der Körpersprache und Aspekt relevant sein könnten. Es ist aber immer ein Angebot und die Teilnehmer überlegen sich, was zu Ihnen passt. Ich mache auch viele Querverweise und sage, dass diese Art der Körpersprache bei Konflikten wichtig sein könnte und etwas anderes dann bei Präsentation und wieder etwas anderes im Privatleben …
"Ich möchte eben, dass die Leute rausgehen und einfach nur begeistert sind davon, was sie können."
Und so habe ich alle Themen angefasst, habe immer einen bunten Strauß geliefert. Und so soll immer jeder alles ausprobieren und dann eben schauen, womit er am besten klarkommt. Ich spreche sehr viele Bereiche an und alle Themen greifen ineinander. Wenn also Leute die Akademie buchen, weil sie ihre Stimme verbessern wollen, dann geht es mit der Atmung los, weil das die Basis für die Stimme ist. Dann komme ich zur Haltung, dies ist auch die Basis für die Stimme. Dann komme ich zur Körpersprache, auch die unterstützt die Stimme. Präsenzaufbau – unterstützt die Stimme ebenfalls. Dann eine Woche Umgang mit Lampenfieber. Ja, wenn ich entspannter bin, hilft auch das der Stimme …

Deswegen wehre ich mich, wenn Leute sagen: Ich hätte gern nur die zwei Wochen Stimmtraining von der Akademie. Nein, der Lerneffekt ist nicht derselbe. Und ich möchte eben, dass die Leute rausgehen und einfach nur begeistert sind davon, was sie können. Und nicht ganz viel neues Wissen zwar im Kopf haben, aber nicht im Körper umgesetzt bekommen.

Was ist denn aus Ihrer Sicht der häufigste Fehler, den man beim Reden machen kann. Vielleicht gerade dann, wenn man sich besonders konzentriert, weil man etwas Wichtiges rüberbringen will oder überzeugen muss?

Ich würde da tatsächlich wieder auf das Mentale zurückgehen, wenn ich nur eine Sache wählen dürfte … Natürlich ist es auch wahnsinnig wichtig, sich selbst bewusst wahrzunehmen. Wenn ich allerdings nur einen Aspekt wählen dürfte, würde ich tatsächlich sagen: Arbeiten Sie an ihrer Einstellung. Es ist unglaublich, wie viel wir erreichen können, wie viel wir verkaufen können, wie schnell wir überzeugen können, wenn die anderen Menschen merken, dass wir ehrliches Interesse haben. Das ist eines unserer Grundbedürfnisse: die Liebe. Männer sagen das natürlich anders. Die sagen Respekt oder Wertschätzung oder gesehen werden. Die sagen: "Man muss mich nicht mögen, aber respektieren." Wenn wir das runterbrechen, ist es natürlich auch die Liebe. Der will auch "auf den Arm". Und das wird eben ganz häufig nicht mehr gesehen.
"Wenn ich etwas erreichen möchte, finde ich es schlau, mir zu überlegen, was der andere von mir braucht."
Wenn ich etwas erreichen möchte, finde ich es schlau, mir zu überlegen, was der andere von mir braucht. Und das ist ganz oft diese Liebe: manche wollen ein Kompliment, manche wollen in Ruhe gelassen werden, manche brauchen vielleicht eine Hilfestellung. Nehmen Sie sich wirklich mal die Zeit. Schließen Sie Ihre Augen, stellen Sie sich diese Person vor und überlegen Sie sich: Was braucht der oder die andere von mir?

Wenn ich nur eine Möglichkeit hätte, wäre es das, was ich wählen würde. Und dann spielt es keine Rolle, ob sie dabei nuscheln oder leicht stottern, ob sie häufig "äh" sagen, ob sie komisch atmen oder den Blickkontakt nicht halten. Ihr Gegenüber spürt doch das ehrliche Interesse, spürt, dass es gerade um ihn geht. Dann regt er sich auch nicht über den fehlenden Blickkontakt auf. Ein guter Blickkontakt kann die Aussage noch unterstützen, klar, aber es ist eben nicht die Basis.

Ich habe von Ihnen noch ein Zitat gefunden, das ich gern an den Schluss unseres Interviews stelle: "Wenn Sie jemals einen Rhetoriktrainer hören, der Ihnen sagt, dass Sie etwas tun müssen, dann werden Sie skeptisch. Sie müssen gar nichts!"

Genau. In meinen Augen gibt es eben kein müssen, es gibt kein immer und es gibt kein nur. Ich mag es nicht, wenn jemand sagt: "Du musst etwas so machen." Ich muss gar nichts. Ich kann es so machen. Wenn es für jemanden toll ist, so eine Merkel-Raute zu machen: klasse. Es gibt ja auch viele Gründe, warum die schlau sein kann. Wenn es aber nicht zu mir passt, dann lasst mir bitte meinen Weg.

Ein guter Schlusssatz? Übernehmen Sie Verantwortung.

Mir ist klar, dass sich jetzt nicht jeder hauptberuflich mit der Rhetorik und der Kommunikation auseinandersetzen will. Natürlich vertrauen wir dann Experten. Aber auch da dürfen wir Verantwortung übernehmen. Und wenn Sie nach ein paarmal Ausprobieren merken: diese Handhaltung, diese Fußstellung oder diese Argumentationskette liegen Ihnen nicht, Sie fühlen sich damit unwohl, dann übernehmen Sie Verantwortung.
"Ein guter Schlusssatz? Übernehmen Sie Verantwortung!"
Wettern Sie nicht über den Trainer. Denn der hat alles richtig gemacht. Er hat eben eine Sache vorgestellt, die für ihn gut funktioniert. Aber vielleicht funktioniert diese Technik für Sie nicht so gut. Also nicht wettern, sondern einfach sagen: "Ich habe es wirklich ernsthaft ausprobiert. Ist nicht meins. Zeigen Sie mir bitte einen anderen Weg." Nicht irgendwas verteufeln, weil es nicht funktioniert. Sondern die Andersartigkeit akzeptieren und einen neuen Weg finden.

Also: Übernehmen Sie Verantwortung.

Herzlichen Dank für das Gespräch, Frau García.

Porträtfoto: Sandra Dürkop


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Kommentare:

  1. Vielen Dank, das ist ein sehr lesenwertes, symphatische Interview.
    Jetzt würde ich sehr! gern Ihre Show sehen, Frau Garcia :)

    Viele Grüße
    Martina Bloch

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    Antworten
    1. Liebe Frau Bloch,

      ich freue mich sehr über Ihr Feedback. Danke schön.

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      Herzlichen Gruß und bis bald :-)
      Isabel García

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