Lernen, Lügen, Körpersprache: Täglich grüßt das Mythenmonster


Es lohnt sich, Studien, Glaubenssätze und andere überlieferte Weisheiten zu hinterfragen. Mitunter entpuppen die sich dann als Hirngespinst oder (un-)geschickte Verknüpfung von Wahr-, Halbwahr- oder Unwahrheiten. Das Internet ist zwar nicht schuld an deren Entstehung, macht aber deren Verbreitung ganz einfach möglich. Wen wundert's also, dass diese Mythenmonster einfach nicht totzukriegen sind.

Mythos 1:
Ein Mönch, der im 12. Jahrhundert die Bedeutung des Kunden erkannte
"Ein Kunde ist die jeweils wichtigste Person in dem Betrieb. Er ist nicht von uns abhängig, sondern wir von ihm. Er bedeutet keine Unterbrechung in unserer Arbeit, sondern ist ihr Inhalt. Er ist kein Außenseiter unseres Geschäfts, er ist ein Teil von ihm. Er ist niemand, mit dem man sich streitet. Denn niemand wird jemals einen Streit mit einem Kunden gewinnen. Ein Kunde ist eine Person, die uns ihre Wünsche mitteilt. Unsere Aufgabe ist es, diese zu seiner Zufriedenheit auszuführen."
Hans-Heinrich Path, Pater oder Mönch im Kloster Eismar, soll diese weisen Sätze bereits im 12. Jahrhundert von sich gegeben haben. Ich hatte meine Zweifel und bin diesem Mythos nachgegangen.

Mythos 2:
Wer stark blinzelt, der lügt

Wer verstärkt blinzelt, sich an die Nase oder das Ohrläppchen fasst, der lügt. So einfach ist das. Nein, ist es nicht. All das kann Ausdruck einer nervlichen Anspannung sein, muss aber rein gar nicht mit einer Lüge zu tun haben. Ein Beispiel gefällig?

Überhaupt: Gerade der Bereich der Kommunikation, besonders der nonverbalen, strotzt nur so von Mythen, die munter durch unser Leben geistern. Die aus meiner Sicht fünf populärsten Irrtümer der Körpersprache finden Sie hier.

Mythos 3:
Aus der Lernforschung ist folgendes bekannt

Mit diesen Worten beginnt ein Mythos, der in verschiedensten Ausführungen unter Trainern, Coaches, Lehrern … kursiert:
Wir behalten …
10 Prozent von dem, was wir lesen,
20 Prozent von dem, was wir hören,
30 Prozent von dem, was wir sehen,
50 Prozent von dem, was wir hören und sehen,
70 Prozent von dem, was wir selber sagen,
90 Prozent von dem, was wir selber tun,
95 Prozent von dem, was wir anderen beibringen.
Mit diesen Behaltensraten kann man alle möglichen Lehr- und Lernformen rechtfertigen, wenn man sich die Übersicht entsprechend zurechtbiegt (oder eine schon zurechtgebogene übernimmt). Allerdings: Schon die Tatsache, dass etwas aus irgendeiner Forschung allgemein bekannt sein soll, ist ein Grund zu zweifeln. Zu Recht, wie sich zeigte.

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