Vorsicht, Falle! Wie Sie im Handumdrehen 813 Euro leichter sind


Ich habe wirklich überlegt, unter welcher Rubrik ich diesen Beitrag veröffentliche. Am Ende habe ich mich für Verkaufen entschieden. Auch wenn es mit dem, was ich darunter verstehe, nicht viel zu tun hat. Im Gegenteil: Es ist wohl eine der miesesten Maschen, Leute um ihr Geld zu bringen …

Am Donnerstagnachmittag, kurz vor dem Start ins lange Wochenende, flattert noch eine geschäftliche E-Mail in mein Postfach. Der Spam-Filter meines zuverlässigen Providers hat die Mail bereits korrekt gekennzeichnet. Aber man weiß ja nie:


"Oh, oh", soll ich jetzt wohl denken, "meine Daten sind nicht aktuell und Löschung droht. Wenn ich nicht den Verlust meiner Präsenz im Internet riskieren will …" Gewerbe Verzeichnis Deutschland klingt ja schon hochoffiziell. Und da die Datei im Anhang "sauber" ist, schaue ich doch mal rein, was es zu korrigieren gäbe.

Gleich der Kopf kommt ziemlich amtlich daher, kein grafischer Schnickschnack. Kurz und prägnant, grau unterlegt ‒ wie man es von einer ordentlichen Behörde wie dem Deutschen Gewerbeverzeichnis Baden Württemberg erwarten würde.


Danach kommt viel Buchstabensalat. Sowohl Inhalt als auch Gestaltung lassen darauf schließen, das das Ganze wohl nur ein Ziel hat: Der Empfänger soll möglichst wenig von dem verstehen, was im Großgedruckten des Eintragungsantrags steht.

Nachdem ich mich ein paar durch die unformatierte Bleiwüste gekämpft habe, ist mir klar, was man mir sagen will:
  1. Das Widerrufsrecht ist ein Recht des Verbrauchers, für Unternehmen ist ein Widerrufsrecht ausgeschlossen. Da die Mail "c/o Geschäftsleitung" an eine geschäftliche E-Mail-Adresse ging, bedeutet das: Ich habe kein Widerrufsrecht.
  2. Es gibt einen Euro-Grundeintrag und einen kostenfreien Grundeintrag. Der Euro-Grundeintrag ist nicht vergleichbar mit dem kostenfreien Grundeintrag eines deutschen Unternehmens. 
Und wenn ich jetzt denke: kostenfreier Grundeintrag eines deutschen Unternehmens ist zwar toll, aber ein Grundeintrag in ganz Euro(pa) ist doch viel besser, bin ich da, wo man mich haben will. Auf dem Holzweg.
Mal schauen:

Jetzt aber schnell noch vorm langen Wochenende, die gesetzliche Frist läuft nur bis zum 12.10.2014, dann bin ich raus aus dem Internet! Hab ich "gesetzliche" geschrieben? Da steht "gesetzte" ‒ seltsam, was einem der Kopf bei einer bestimmten Erwartungshaltung ("Achtung! Offizielles Schreiben vom Deutschen Gewerbeverzeichnis Baden-Württemberg") so für Streiche spielt.
Schnell noch Datum und Unterschrift und ab ins Fax damit …

Nein, natürlich nicht. 

Denn ich habe Ihnen eine unauffällige Info-Zeile zwischen der Bleiwüste und dem Eintragungstext vorenthalten. Solche Info-Zeilen kennt man ja von behördlichen Schreiben, steht meist nichts wichtiges drin: Datum, Aktenzeichen und so'n Kram. Aber hier lohnt sich ein genauer Blick:


Der Euro-Grundeintrag heißt nämlich deswegen so, weil man dafür ein paar Euro berappen muss. 271 Euro, um genau zu sein. Pro Jahr. Und der Vertrag, den ich mit meiner Unterschrift eingehe, läuft für zunächst drei Jahre. Macht 813 EUR für eine leichtfertig und vielleicht unter Zeitdruck hingekritzelte Unterschrift (die die Gauner dann auch haben und wer weiß was alles damit anstellen können).

Also: Nicht unterschreiben, nicht zurückfaxen!

Weitere Infos zum Thema Branchenbuch-Abzocke finden Sie zum Beispiel hier.


Foto oben: www.pixabay.de

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